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Nachbarschaft in der Mitte Europas

28. Jahrestagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaften – „Homburger Appell“ unterstützt die Errichtung einer Erinnerungsstätte an die polnischen Opfer des 2. Weltkrieges in der Mitte Berlins

Wie pflegen die Polen und die Deutschen heutzutage ihre Beziehungen zueinander? Wie beeinflussen die jeweiligen politischen Situationen das Verhältnis der beiden Nachbarländer? Über diese Fragen und über mögliche neue Kooperationen mit dem Nachbarland Polen haben die Mitglieder des Bundesverbandes Deutsch-Polnische Gesellschaft auf ihrer Jahrestagung vom 24. bis 27. Oktober diskutiert. Der Bundeskongress fand unter anderem aus Anlass der 10-jährigen Partnerschaft zwischen dem Saarland und der Woiwodschaft Podkarpackie in Homburg statt. Ministerpräsident Tobias Hans hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Ein Höhepunkt der viertägigen Veranstaltung war die Verleihung des DIALOG-Preises 2019 an die polnische Historikerin und Politologin Prof. Dr. Anna Wolff-Powęska. Diesem Ereignis kam durch die Ansprachen zur deutsch-polnischen Freundschaft von Bundesaußenminister Heiko Maas und von Prof. Dr. Rita Süßmuth, der Kuratoriumsvorsitzenden des DPG Bundesverbandes und Bundestagspräsidentin a. D., eine besondere Bedeutung zu.

Landrat Dr. Theophil Gallo, Vorsitzender der Deutsch-polnischen Gesellschaft Saar, begrüßte weitere Ehrengäste im Homburger Forum: Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot in Vertretung des Ministerpräsidenten, Piotr Piłch, Vize-Marschall der Woiwodschaft Vorkarpatenland, Dietmar Nietan (MdB), Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband, Christian Schröter, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin e. V., Adam Krzemiński, Publizist und DIALOG-Preisträger 2013, Jakub Wawrzyniak, Generalkonsul der Republik Polen in Köln, sowie weitere Mitglieder der insgesamt 50 regionalen Gesellschaften.

Dialog kann nicht erzwungen werden. Er muss von unten initiiert sein“, brachte es die Preisträgerin auf den Punkt und nannte das Engagement der deutsch-polnischen Gesellschaften in diesem Sinne beispielhaft. Prof. Dr. Anna Wolff-Powęska gilt als eine entschiedene Verfechterin der Demokratie in Polen und steht seit Jahrzehnten für die deutsch-polnische Verständigung ein. Sehr bescheiden nahm sie die Würdigung durch die Vorredner sowie den DIALOG-Preis an.

Die Jahrestagung wurde am folgenden Tag im Schlossberg Hotel fortgesetzt mit Podiumsdiskussionen, die unter Mitwirkung des Publikums sehr kurzweilig verliefen. Unter dem Titel „Rechtsruck in Europa – wie stabil ist die Demokratie in Deutschland und Polen?“ beteiligten sich auch Prof. Dr. Anna Wolff-Powęska sowie Albrecht von Lucke, Publizist, Jurist und Politologe.
Basil Kerski, Leiter des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig und Chefredakteur des deutsch-polnischen Magazins DIALOG moderierte die Debatten.

Bei den internationalen Gesprächen an der deutsch-französischen Grenze durfte das Thema Frankreich nicht fehlen. Hierzu wurde die Tagung von dem ehemaligen Europaminister und Präsidenten des saarländischen Landtages, Stefan Toscani, der Vorsitzenden der Französisch-Polnischen Vereinen in Paris, Barbara Miechówka, dem Vorsitzenden der Regionalunion Grand Ést Franco-Allemand, Gérard Calais, sowie dem Vorsitzenden des Weimarer Dreiecks e. V., Dieter Hackmann, begleitet. Alle waren sich einig, dass man die Themen deutsch-polnische Freundschaft und Weimarer Dreieck im Sinne des Europäischen Gedanken fortentwickeln sollte.

Schließlich wurde die 10-jährige Partnerschaft zwischen dem Saarland und der Woiwodschaft Podkarpackie gemeinsam begangen. Nach der feierlichen Ansprache von Jakub Wawrzyniak ließen Hans Bollinger, der die Partnerschaft maßgeblich unterstützte, der polnische Senator und ehemalige Rektor der Universität Rzeszów, Prof. Dr. Aleksander Bobko, und der ehemalige Präsident der Universität des Saarlandes, Prof. Dr. Volker Linneweber, die Entwicklung der Partnerschaften auf Landesebene, auf Kreisebene – zwischen dem Saarpfalz-Kreis und dem Kreis Przemyśl – sowie zwischen den Universitäten Revue passieren.

Von der Jahresmitgliederversammlung am letzten Kongresstag sollte auf Anregung von Landrat Dr. Gallo ein Signal ausgehen. Deshalb begrüßte die Versammlung ausdrücklich die Initiative von über 250 Bundestagsabgeordneten für einen Ort in der Mitte Berlins zum Gedenken an die polnischen Opfer von Krieg und Besatzung 1939 bis 1945. Der auf Vorschlag von Landrat Gallo auch als „Homburger Appell“ bezeichnete einstimmige Beschluss sieht vor, dass nach den Vorstellungen des Bundesverbandes dieser Gedenkort auch ein Ort für Informationen, Lernen und Begegnung werden soll.

„Die Beziehungsgeschichte zwischen Deutschland und Polen erstreckt sich über 1000 Jahre. Wir wollen uns mit der wechselvollen Geschichte auseinandersetzen und dabei insbesondere auch mit der Zeit von Krieg und Besatzung. Eine Kenntnis des Geschehenen ist die Voraussetzung für unser Gedenken“, erklärte der Bundesvorsitzende Dietmar Nietan, Mitglied des Bundestages.

Der Landrat resümierte: „Die Anstrengungen für diese besondere Veranstaltung haben sich gelohnt. Beginnend mit der Eröffnung der Bartoszewski-Ausstellung am Donnerstag über den Besuch von Außenminister Maas, die Preisverleihung und bis hin zum ‚Homburger Appell‘ am Sonntag gehen von dieser Veranstaltung wichtige Signale zu unseren Partnern in Polen. Diese guten Beziehungen im Sinne des Weimarer Dreiecks auszubauen, sollte unser weiteres Bestreben sein, im Interesse des friedlichen Miteinanders und unter Einbeziehung auch der französischen Partner in einem einigen Europa. Der Homburger Appell ist dazu ein wesentlicher Meilenstein.

Die Jahrestagung wurde finanziell gefördert vom Auswärtigen Amt. Zum Gelingen des Kongresses haben zudem und wesentlich die Kreisverwaltung des Saarpfalz-Kreises, die Regierung des Saarlandes, das Generalkonsulat der Republik Polen in Köln, die Dr. Theiss Naturwaren GmbH sowie die Kreissparkasse Saarpfalz beigetragen. Ein besonderer Dank ging an die Deutsch-Polnische Gesellschaft Saar.

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