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Naturschutz zeigt Erfolg

Ende der Förderung von „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ – hoher Besuch vom Bundesamt für Naturschutz
Zum offiziellen Abschluss der Förderphase des Naturschutzgroßvorhabens „Saar- Blies-Gau / Auf der Lohe“ besuchten kürzlich die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Professor Dr. Beate Jessel, und der Staatssekretär im saarländischen Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz, Roland Krämer, das Projektgebiet.
Am Haus Lochfeld in Wittersheim ließen die Projektbeteiligten nochmals die Laufzeit des Bundesförderprogramms von 1995 bis zum 30.06.2011 Revue passieren und stellen die Erfolge des Projektes für die Region deutlich heraus.
Die Projektverantwortlichen des Zweckverbandes „Saar- Blies- Gau/auf der Lohe“ sowie der Erste Kreisbeigeordnete Peter Nagel, in Vertretung des Landrates und Verbandsvorstehers Clemens Lindemann, bedankten sich ausdrücklich bei den Fördergebern, stellvertretend bei der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel, und dem Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium, Roland Krämer, für die finanzielle Unterstützung der Region im Rahmen des abgeschlossenen Naturschutzgroßvorhabens aber auch bei den beteiligten Verbandsmitgliedern für die gute Zusammenarbeit.
Daten, Fakten, Hintergrund:
Das Naturschutzgroßvorhaben „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ war ein Förderprogramm des Bundes unter Beteiligung des Landes zum Erhalt „gesamtstaatlich repräsentativer Flächen und Landschaften für die Bundesrepublik Deutschland“. 1995 konnte man unter der Ägide des damaligen Bundesumweltministers Klaus Töpfer nachweisen, dass der Bliesgau eine solche gesamtstaatlich bedeutsame Fläche ist und der Bund hat das Förderprogramm für die Region positiv beschieden. Der Bliesgau befand sich seitdem im Reigen hochwertiger Naturlandschaften in Deutschland (Bayerischer Wald, Wattenmeer, Oderbruch etc.).
„Schutz, Pflege und Entwicklung einer alten, gewachsenen, vielfältig strukturierten und traditionell extensiv genutzten Kulturlandschaft mit dem Vorkommen zahlreicher, seltener, gefährdeter und charakteristischer Pflanzen- und Tierarten, die durch die Änderung der Landnutzungsansprüche des Menschen auf Dauer bedroht sind“, war das im Bewilligungsbescheid präzise beschriebene Ziel der Förderung.
Zur Umsetzung des Naturschutzgroßvorhabens, wie es offiziell heißt, wurde eigens ein Zweckverband gegründet, dem seither der Saarpfalz- Kreis, die Gemeinden Gersheim und Mandelbachtal sowie die Naturlandstiftung Saar angehören. Seit der Gründung des Zweckverbandes „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ ist Landrat Clemens Lindemann Verbandsvorsteher und der Bürgermeister der Gemeinde Gersheim, aktuell Bürgermeister Alexander Rubeck, sein Stellvertreter.
Die Finanzierung des Naturschutzgroßvorhabens erfolgte zu 75 Prozent über Bundesmittel, zu 15 Prozent über Landesmittel und zu 10 Prozent über Eigenmittel des Zweckverbandes „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“, die per Umlage von den Mitgliedern des Zweckverbandes erhoben werden.
Insofern war eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten gefragt. Federführend für den Bund war das Bundesamt für Naturschutz in Bonn, für das Land das saarländische Umweltministerium, und für den Zweckverband insbesondere die Naturlandstiftung und der Saarpfalz- Kreis, aber auch die Gemeinden Gersheim und Mandelbachtal.
Die Naturlandstiftung hat federführend den Grunderwerb getätigt und den Kontakt zu den Fördergebern gehalten, während die Kreisverwaltung die Kassengeschäfte und die allgemeine Verwaltung erledigt hat.
Das Förderprojekt wurde zweimal verlängert und in der Fläche und im Finanzvolumen jeweils aufgestockt, einmal im Jahr 2002 und noch einmal im Jahr 2006. Insgesamt umfasst das Lohegebiet jetzt 2.158 Hektar.
Die Instrumente zur Zielerreichung waren der Grunderwerb und die Biotoplenkung: Mit dem Grunderwerb wurden die in einem freiwilligen Verfahren angekauften ehemals privaten Flächen über eine Grunddienstbarkeit dauerhaft für den Naturschutz der Bundesrepublik Deutschland gesichert. Im Projektverlauf gelang es über 600 Hektar Flächen, verteilt auf über 2400 Parzellen zu erwerben und damit über 80 Prozent des geplanten Grunderwerbs zu realisieren. Hinzu kommen weitere Flächen, die bereits in öffentlicher Hand der Gemeinden oder des Landes (Saarforst) sind.
Mit Hilfe der Biotoplenkung wurden brach gefallene Flächen wieder in die extensive Bewirtschaftung zurück geführt. Während der Förderphase wurden auf über 300 Hektar so genannte Erstpflegemaßnahmen durchgeführt und die Zahl der extensiv nutzbaren Flächen deutlich erhöht. Somit konnten bereits 2005 über 294 ha Flächen wieder an Landwirte verpachtet werden. Insgesamt pflegt der Zweckverband „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ weit über 30 Pachtverträge mit nahezu drei Dutzend örtlichen Landwirten. Damit sind die Hauptziele des Naturschutzvorhabens, die wertvollen Flächen des Bliesgaus für den Naturschutz zu sichern und die offene, traditionell extensiv genutzte Kulturlandschaft zu erhalten, vollständig erreicht worden.
Finanziell bedeutete das Förderprogramm, dass in den rund 15 Jahren der Projektförderung über 7,6 Millionen Euro in den Bliesgau und den Naturschutz im Gebiet geflossen sind. Davon kamen über 5,7 Millionen Euro vom Bund, rund 1,15 Millionen Euro vom Land und 764.000 Euro hat der Zweckverband „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ selbst aufgebracht. Von diesen Mitteln flossen 5,6 Millionen Euro in den Grunderwerb und knapp 970.000 Euro in die Biotoppflege. Der Rest floss in Planungs-, Sach- und Personalkosten.
Da die Biotoppflege in der Regel von Landwirten ausgeführt wurde, kam dieses Fördergeld der Landwirtschaft zu Gute und die Gelder für den Grunderwerb kamen bei den Menschen der Region an. Somit hatten von dem Förderprogramm sowohl die Natur etwas als auch die Menschen und Bewirtschafter der Region.
Inzwischen sind weite Teile der Flächen des Naturschutzgroßvorhabens mit dem Naturschutzgebiet „Südlicher Bliesgau / Auf der Lohe“ (seit 2004) und den Kernzonen des Biosphärenreservates Bliesgau auch naturschutzrechtlich gesichert. Die Flächen der letzten Erweiterung sollen demnächst über die Verordnungen der Natura 2000 Schutzgebiete ebenfalls naturschutzrechtlich geschützt werden.
Der Zweckverband „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ wird seine Arbeit als Gebietsbetreuer und auch als Grundstückseigentümer über die Förderphase hinaus im Sinne des Naturschutzes fortsetzen.
Sowohl über die Pachtverträge als auch über Pflegeverträge des Landes sowie die Gebietsbetreuung durch die saarländische Naturwacht ist die weitere positive Erhaltung und Entwicklung des Gebietes „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ für die Zukunft gesichert. Die naturschutzfachliche Wertigkeit der Naturschutzflächen des Gebietes „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ kann somit auch dauerhaft die Wertigkeit des UNESCO Biosphärenreservates Bliesgau unterstützen.
Für einige Tier- und Pflanzenarten trägt der Bliesgau und insbesondere das Naturschutzgebiet „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“ eine europaweite Verantwortung. Als Beispiel sei der goldene Scheckenfalter (Euphydrias aurinia) genannt.

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1865–2017