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Neujahrsempfang der CDU St. Ingbert-Mitte

Als die CDU noch ein illegaler Verein war… – die CDU ehrt beim Neujahrsempfang in Sankt Ingbert ihre Gründungsmitglieder.

Vor über 60 Jahren wurde der CDU Ortsverband St. Ingbert-Mitte im damaligen Beckerbräu gegründet. Der diesjährige Neujahrsempfang im bis auf den letzten Platz voll besetzten Saal des Pfarrheims St. Josef stand im Zeichen der Ehrung verdienter Parteimitglieder.

Der Ortsvorsitzende Frank Luxenburger führte über 140 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem lokalen Vereinsleben durch ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm, das von der stimmungsreichen Musik des St. Ingberter Ingobertustrio begleitet wurde. Sein Vorgänger im Amt, der Minister für Finanzen und Europa Stephan Toscani, nutzte seine Anwesenheit, um auf die aktuellen landespolitischen Themen wie dem Finanzausgleich, die aktuelle saarländische Wirtschaftsleistung und die Thematik der Flüchtlinge einzugehen. Sein Kernpunkt war allerdings der Bund-Länder-Finanzausgleich. Nach mehr als zweijährigen zähen Verhandlungen habe man schließlich seitens der Bundesregierung den Vorschlag der Saarregierung angenommen. Das Saarland, so der Minister, erhalte 500 Millionen Euro als Ausgleichszahlung.

Dr. Markus Monzel nutzte als umweltpolitischer Sprecher der CDU Stadtratsfraktion nach dem Besuch der Sternsinger die Gelegenheit, den Anwesenden die Vorteile des EVS-Ausstieges darzulegen. Er betonte, dass dieser Ausstieg kein kurzfristig unüberlegter Schritt war, sondern diesem eine monatelange, intensive und arbeitsreiche Phase der Entscheidungsfindung einer Vielzahl von Gremien vorausgegangen war. Langfristig, so betonte er, fahren die St. Ingberter deutlich besser, als wenn sie in diesem System verblieben, auch wenn es kurzfristig dieses Jahr eine Erhöhung gebe – die aber der EVS, nur um ein Jahr verschoben und deutlich höher, ebenso seinen Mitgliedern weitergebe.

Nach diesen politischen Vorträgen ehrte der Ortsvorsitzende in Anwesenheit des Ministers Stephan Toscani sowie des Bundestagsabgeordneten Alexander Funk und des Bürgermeisters Pascal Rambaud folgende Mitglieder für ihre langjährige Treue:

Über 25 Jahre: Konrad Weisgerber, Josef Nickolay und Ulrich Stopp.
Über 40 Jahre: Hans Jörg Gulentz, Peter Funk, Claus Josef Grell, Gabriele Schwarz, Gerda Schwemm, Franz Anders, Heiner Bost, Baptist Hauck, Dietmar Kübler, Dieter Piro, Rigobert Wilhelm, Ludwig Hemmerling, Gisela Kellmeyer, Angelika Kuhn, Anneliese Sailer, Gerd Schoeffler, Franz Schütz und Hans Otto Woll.
Über 50 Jahre: Wilhelm Jacob, Heinz Scholl, Heiner Schweitzer, Theo Schwemm, Horst Stolz, Günther Jänker, Reinhold Kolb, Hedwig Pfeffer, Walter Diemer und Ingbrecht Haberer.
Gründungsmitglieder: über 60 Jahre: Manfred Barth, Rudolf Braun, Paul Pressmann und Hubert Schreiner.

Im Anschluss ließen die Gründungsmitglieder Manfred Barth und Rudi Braun die Zuschauer in die Zeit von 1955 tauchen. In Form eines Interviews mit Bürgermeister Pascal Rambaud und dem Ortsvorsitzenden Frank Luxenburger erzählten die politisch aktiven Zeitzeugen vom Saarstatut, den Zusammenschluss von CVP und Saar-CDU und von der Angliederung zu der jungen Bundesrepublik. So gab es noch eine ausführliche interessante Geschichtsstunde aus erster Hand über die Gründungszeit. Ende Juli 1955 sei zu einer Mitgliederversammlung eingeladen worden, nachdem die Partei schon seit 1952 in der Illegalität agieren musste, da sie von der Regierung Hoffmann nicht zugelassen worden war. Erst die Pariser Verträge (Inkrafttreten am 5.5.1955) machten ihre Zulassung kurz vor der Saar-Abstimmung möglich. Nach dem von Johannes Hoffmann favorisierten Saarstatut sollte die Saar ein europäisches Statut erhalten und von einer europäischen Kommission kontrolliert werden. Die beiden berichteten von den damaligen Unruhen in der Kohlenstraße vor dem Karlsberg-Saal und der Verhaftung eines inzwischen verstorbenen CDU-Gründungsmitgliedes Peter Degel, erläuterten die Gründe, warum sie das Saarstatut abgelehnt hätten. Die Saarbevölkerung habe das Saar-Statut mit über 67 % abgelehnt, so dass das Saarland aufgrund eines deutsch-französischen Vertrages am 1. Januar 1957 zur Bundesrepublik Deutschland gekommen sei. Im Saal war die Stimmung greifbar, als Manfred Barth von der Straßenschlacht in der Kohlenstraße berichtete, bei der es zu massiven Ausschreitungen mehrerer tausend Menschen kam. Es ging damals nicht sonderlich frei und demokratisch zu. Der Innenminister damals wachte darüber, dass bis zum Juli 1955 keine prodeutschen Parteien zugelassen wurden – die CDU war bis zu diesem Zeitpunkt ein illegaler Verein. Es durften auch keine Oppositionszeitungen gedruckt werden, so Rudi Braun.

Angefangen hat alles am 30. Juli 1955 im Beckerbräu. Die Unterlagen aus dieser Zeit, die in Form einer Powerpoint-Präsentation vom Ortsvorsitzenden gezeigt wurden, sprachen von „einem Tag des Aufbruchs“. Kurz zuvor wurde die offizielle Bestätigungsgenehmigung von staatlicher Seite erteilt. 59 politisch Aktive hatten ihr Interesse im Vorfeld bekundet. Rund 300 Menschen kamen dann zur Gründungsversammlung. „Alle wichtigen Weichen und Großprojekte in St. Ingbert hat die CDU initiiert, wie das „blau“ und die Stadthalle“, so Rudi Braun.

Zum Abschluss der festlichen Veranstaltung wurde auf Verlangen der Besucher der Film 60 Jahre CDU-Saar gezeigt. Zusammen mit den Gästen verbrachten die Geehrten und die Gründungsmitglieder einen sehr unterhaltsamen Abend, der bei bayrischen Weißwürsten und St. Ingberter Bier mit netten Gesprächen bis spät in die Nacht dauerte.

Titelbild:
von links nach rechts: Jürgen Marx, Eheleute Paul Pressmann, Hubert Schreiner, Eheleute Manfred Barth, Stephan Toscani, Rudolf Braun, Pascal Rambaud, Maria Braun, Frank Luxenburger, Alexander Funk und Ursula Schmitt.

 

PM: Dr. Frank Breinig
Referent für Öffentlichkeitsarbeit

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