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Ohne Meisterbrief leiden Qualität und Ausbildung

Immer mehr Fliesenleger, immer weniger Meister im Saarpfalz-Kreis: Seit 2004 ist die Zahl der heimischen Fliesenleger-Betriebe drastisch gestiegen.

Gab es im Bereich der Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes vor elf Jahren noch 284 Fliesenleger-Firmen, waren es im vergangenen Jahr bereits 657. Das ist ein Anstieg von 131 Prozent. Darauf weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hin. Die Gewerkschaft führt das auf den Wegfall der Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk vor fast zwölf Jahren zurück. Damit seien jedoch die Qualität und die Ausbildung in dem Handwerk in Gefahr.

„Auch im Saarpfalz-Kreis hat die Zahl der Ein-Mann-Betriebe deutlich zugenommen. Denn seit der Reform der Handwerksordnung 2004 müssen Fliesen-, Platten- und Mosaikleger nicht einmal eine Gesellenprüfung machen, um ein Gewerbe anzumelden“, sagt Heiner Weber. Für den Bezirksvorsitzenden der IG BAU Saar-Trier ist der Meisterbrief ein „Garant für saubere Arbeit und faire Löhne“: „Im Interesse der heimischen Beschäftigten und auch Kunden sollte die Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk wieder eingeführt werden“, so Weber.

Nach Beobachtungen der IG BAU Saar-Trier sind die Klagen über Pfusch bei Handwerksarbeiten in den letzten Jahren „immer lauter“ geworden. „Wer ohne geprüften Berufsabschluss arbeitet, der beherrscht sein Handwerk oft nicht richtig. Außerdem fehlen vielen ungelernten Fliesenlegern die nötigen Kenntnisse, um einen Betrieb zu führen“, erklärt Heiner Weber.

Und auch für die Berufsausbildung sei der Wegfall der Meisterpflicht ein Problem: „Nur Meisterbetriebe dürfen ausbilden. Mit ihren hohen Standards sorgen sie für gut ausgebildete Nachwuchskräfte“, betont Weber. Deshalb sei die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein wichtiges Mittel gegen den Fachkräftemangel im Saarpfalz-Kreis.

Zudem könne man so wirksam gegen Scheinselbstständigkeit vorgehen: „Viele Selbstständige sind in Wirklichkeit bei Bauunternehmen beschäftigt, die ihnen nur Billiglöhne zahlen. Denn selbstständige Fliesenleger sind weder an den gesetzlichen noch an den Branchenmindestlohn gebunden“, sagt Heiner Weber. Viele Fliesenleger versuchten daher, immer schneller zu arbeiten – auf Kosten der Qualität. Außerdem entstehe eine Dumping-Konkurrenz zu den etablierten Betrieben.

„Mit der Abschaffung der Meisterpflicht für insgesamt 52 Berufe wollte die damalige Bundesregierung die Qualität verbessern und Preise senken. Das hat aber nicht funktioniert“, kritisiert Weber. Die Lage bei den Fliesenlegern zeige: „Ohne Meisterbrief ist der goldene Boden des Handwerks in Gefahr.“

Titelbild:
Der „goldene Boden des Handwerks“ – bei den Fliesenlegern wackelt er, so die IG BAU. Denn seit dem Wegfall der Meisterpflicht arbeiten immer mehr Solo-Selbstständige in dem Handwerk – viele von ihnen sogar ohne Gesellenbrief.

 

PM: A. Kasten

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St. Ingberter Anzeiger ·
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