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Preis bei Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Schon zum zweiten Mal haben Schüler der Gemeinschaftsschule einen Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen.

Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre von der Körber-Stiftung ausgeschrieben und ist der größte historische Forschungswettbewerb für Jugendliche in Deutschland.

Unter Federführung von Susanne Torazzina stellte die Klasse 7f2 zum Thema „Anders sein in der Geschichte“ mit Unterstützung von Klassenlehrerin Barbara Baumgart und Förderlehrerin Ingrid Wunsch den Contergan-Skandal in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die Wahl des Themas, das auch heute nichts an Brisanz verloren hat, war naheliegend – die Gemeinschaftsschule Gersheim ist Inklusionsmodellschule.

Hier werden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet und für die Schulgemeinschaft ist das Normalität.

Aber war und ist das überall und schon immer so? Wie ging man früher mit Behinderten um? Waren sie akzeptiert und Teil der Gemeinschaft? Oder wurden sie etwa zu Außenseitern gemacht? Dies waren Fragen mit denen sich die Klasse 7f2 auseinandersetzte, als sie sich für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit dem Thema “Anders sein in der Geschichte” anmeldete.

Die Schüler begannen zu recherchieren und interessierten sich für alles rund um das Thema “Contergan-Skandal” und vor allem für die Menschen, die durch Contergan geschädigt wurden. Für ihre Recherche haben sie in das Archiv der Saarbrücker Zeitung herangezogen, natürlich auch das Internet, auch Filme und Bücher wurden genutzt, um mehr über das Thema Behinderung zu erfahren.

Besonders beeindruckend aber waren die Gespräche mit Betroffenen. Drei Menschen, die selbst contergangeschädigt zur Welt kamen, gaben Auskunft über die Folgen, die das Medikament für die ungeborenen Kinder hatte, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft eingenommen hatten.

Christa Franzreb, ehemalige Mitarbeiterin in einem Behindertenheim, konnte sehr anschaulich erzählen, wie es Kindern erging, die nicht das Glück hatten in ihrer Familie angenommen und geliebt zu werden.

Die ehemalige Schulleiterin der Schule für körperliche und motorische Entwicklung in Homburg berichtete über die Anfänge dieser Förderschule in Homburg und über Probleme, die Menschen mit Körperbehinderung auch heute im Alltag noch haben.

Wichtig für die Situation der behinderten Menschen war auch die Zeit des Nationalsozialismus, die in der Zeit zwischen 1933 und 1945 wegen ihrer Behinderung gejagt und gefoltert und sogar umgebracht wurden. Stolpersteine, z.B. in Niedergailbach, erinnern an Menschen, die wegen einer Behinderung von den Nazis umgebracht wurden.

Für die Klasse ist aber nicht nur der Preis ein Gewinn. „Eigentlich hatten wir schon vorher gewonnen“, so die Betreuerinnen. „Die Klasse hatte gemeinsam an einem für uns und unsere Schule wichtigen gesellschaftlichen Thema gearbeitet. Aber diese Arbeit erschöpfte sich nicht im Wissen. Wir alle hatten Erfahrung gesammelt und viele neue Einsichten gefunden. Und mit der neuen Erfahrung entwickelten sich auch Einstellungen. Waren die ersten Begegnungen mit den behinderten Zeitzeugen noch von vorsichtiger Scheu geprägt, so stellte sich zunehmend eine fröhliche Normalität im Umgang mit unseren Besuchern ein, die sie weniger als Behinderte betrachteten, sondern einfach als Menschen erlebten. Aufrichtig entrüstet zeigten sich die Jugendlichen über die Pharmaindustrie, die über weite Strecken jede Verantwortung für die Contergan-Problematik von sich wies und die Geschädigten allein ließ. Erschüttert betrachteten sie die Vorgeschichte, ohne die in Deutschland das Thema Behinderung kaum beleuchtet werden kann: die NS-Zeit mit ihrem ungeheuerlichen Vorgehen gegen Menschen, die vom Idealbild des Regimes abwichen.

Solche Erfahrungen, aus eigener Anschauung gewonnen, sind uns ein wertvoller Teil des schulischen Erziehungsauftrags.“

 

PM: G. Dippel

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