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Prof. Kimmel stellte Biografie „François Mitterrand“ vor

Trotz des kalten Winterwetters waren alle Plätze in der Stadtbücherei besetzt, als zur zehnten und für dieses Jahr letzten Autorenbegegnung des St. Ingberter Literaturforums (ILF) eingeladen wurde. Der Autor kam dieses Mal aus der Mittelstadt: Der Politikwissenschaftler

und erstrangige Frankreichexperte Adolf Kimmel lehrte und forschte unter anderem an den Universitäten Würzburg und Trier. An diesem Abend stellte er einem überaus interessierten Auditorium seine viel beachtete Biografie des  ehemaligen französischen Staatspräsidenten  „François Mitterrand“ vor, der neben Charles de Gaulle als der bedeutendste französische Politiker seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gilt und nach dem „General“ ein halbes Jahrhundert lang eine prägende, wenn auch nicht ganz so wirkungsmächtige  Rolle in unserem Nachbarland gespielt hatte.

Die Biografie dieser facettenreichen und nur schwer greifbaren Persönlichkeit weist viele abrupte Brüche und überraschende Wendungen auf: So  verabschiedete er sich von seiner provinziellen Herkunft und seinen konservativ-repressiven Anfängen aus der Vichyzeit und stilisierte sich in der Folge zum sozialistischen „linken Gewissen Frankreichs“  und zur weltmännischen Führungsfigur der Grande Nation. Mitterands Wahl 1981 hat den ersten Machtwechsel der V. Republik hin zu einer sozialistisch-kommunistischen Linksunion herbeigeführt. Während seiner 14-jährigen Präsidentschaft wurden wichtige Reformen beschlossen – so die Abschaffung der Todesstrafe, die Dezentralisierung sowie soziale Errungenschaften wie die Rente mit 60 Jahren.

Adolf Kimmel blätterte souverän verschiedene Kapitel im Leben Mitterands auf zeigte einerseits dessen Bemühen für die nationale Unabhängigkeit und eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit und andererseits sein Festhalten an den Prinzipien der gaullistischen Außenpolitik und sein Engagement für die Weiterentwicklung der europäischen Gemeinschaft auf. Auch hat Mitterand durch seine Grands Projets Paris so umgestaltet und modernisiert wie vor ihm nur Baron Haussmann.

In klaren Konturen zeichnet Adolf Kimmel in seinem Buch das Porträt eines Politikers mit entschiedenem Willen zur Macht auf, der ebenso undurchschaubar und wandlungsfähig wie als Persönlichkeit umstritten war, weshalb er auch als Sphinx oder „Artist der Politik“ bezeichnet wurde. Das Publikum zeigte sich äußerst dankbar für diese einzigartige historische Lehrstunde.

Im Januar wird man beim St. Ingberter Literaturforum (ILF) Bilanz über das zu Ende gegangene Lesungsjahr ziehen. Auch 2023 soll es im 42. Jahr seines Bestehens weitere für alle Bürger offene Veranstaltungen und Autorenbegegnungen geben. Erste Konturen zeichnen sich schon  ab: In St. Ingbert wird im Rahmen des Literaturfestivals erLesen im Mai eine Leseaktion zum „Prinzip Mord“ stattfinden, und die große Lyrikerin Ingeborg Bachmann und ihr literarischer Kosmos sollen im November anlässlich ihres 50. Todestages im Rahmen einer szenischen Lesung gewürdigt werden.

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