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Programm der Kinowerkstatt St. Ingbert

„Beuys“ (Fr. 16. Juni, 20 Uhr; So. 18. Juni, 20 Uhr; Mo. 19. Juni, 18 Uhr); „Berlin Chamissoplatz“ (Sa. 17. Juni, 20 Uhr); „Rudolf Thome – Überall Blumen“ (So 18. Juni, 18 Uhr; Mo. 19. Juni, 20 Uhr).

 

Beuys

Porträt Joseph Beuys, Künstler

„So viele Fragen bleiben. Nach Andres Veiels Beuys-Doku möchte man sich sofort eine Beuys-Biografie greifen, in eine Beuys-Ausstellung gehen, auf Youtube nach Material suchen, nach Bildern und Artikeln. Das ist ein Kompliment an den Film. Denn dass er in 107 Minuten nicht den ganzen Beuys zeigen konnte, ist klar. Aber er fixt einen an.“ (Anja Seeliger auf perlentaucher.de) „Beuys“ (Regie: Andres Veiel, Deutschland 2017, 107 Minuten) läuft in der Kinowerkstatt am Freitag, den 16. Juni, am Sonntag, den 18. Juni, jeweils um 20 Uhr und am Montag, den 19. Juni, um 18 Uhr.

Veiel zeigt alle wesentlichen Stationen im künstlerischen Leben des Joseph Beuys: Man sieht ihn als Kind, vom Krieg geprägt, als jungen Menschen, der sich als Künstler erfindet, als soziales Wesen, als politisch denkenden Menschen, als Lehrer, der sich mit dem damaligen NRW-Wirtschaftsminister Johannes Rau anlegt.

Weiter geht’s zum Absturz auf der Krim, der Erzählung von Filz und Fett bei den Tataren („Haben Sie sich das gerade ausgedacht“, fragt eine Frauenstimme aus dem Off, keine Antwort von Beuys), einzelne Kunstaktionen wie „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ 1965

Dazwischen Fernsehdiskussionen, etwa 1970 eine hitzige Diskussion zwischen Beuys, Max Bill, Arnold Gehlen und Max Ben und Interviews, in denen Beuys seinen erweiterten Kunstbegriff erklärt: „An und für sich ist der Kunstbegriff heute so erweitert, dass heute jede normale Situation Kunst ist“, sagt er und muss immer wieder seine These erklären, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Ein Künstler eben in dem Sinne, dass er an der sozialen Plastik namens Gesellschaft mitarbeitet.

Seine Lust an der Provokation ist immer wieder ansteckend. Allein wie er im großen Saal der Düsseldorfer Kunstakademie steht, vor ihm sitzen die Honoratioren Nordrhein-Westfalens in Kostüm und Anzug: Beuys in Anglerweste und Jeans, macht den Mund auf und „chrm, hrm hrm chrm“ knarzt er aus seiner Kehle heraus. Die ganze Rede ein einziges Geräusper, während die Herrschaften unten Contenance zu bewahren suchen…sehr sehenswert!

 

Rudolf Thome – Überall Blumen

Portät Rudolf Thome, Filmemacher

Rudolf Thome gehört mit zu den bekanntesten Filmemachern Deutschlands. Doch der breiten Masse bekannt wurde er nicht – dafür ist er wohl zu eigen und seine Filme sind zu gut. Serpil Turhans Doku „Rudolf Thome – Überall Blumen“ (Deutschland 2016, 84 Minuten.) läuft zurzeit in den deutschen Kinos, in der Kinowerkstatt am Sonntag, den 18. Juni, um 18 Uhr und am Montag, den 19. Juni, um 20 Uhr.

Bereits 28 Langfilme hat Thome gedreht, jetzt will er sein aktuelles Drehbuch mit dem Titel „Überall Blumen“ verfilmen, aber das Geld dafür fehlt. Was tun? Geld via Crowdfunding sammeln, die Hauptrolle einfach selber spielen? Gemeinsam wird überlegt; Serpil Turhan ist ein liebevolles und ungewöhnliches Porträt eines eigensinnigen Regisseurs gelungen. „Rudolf Thome – Überall Blumen“, ihr zweiter eigener langer Film (nach einem Studium an der Karlsruher Akademie der Künste bei Thomas Heise), hat etwas Beschwingtes, denn es gelingt der Regisseurin die Leichtigkeit aus Thomes Filmen in ihren Film mitzunehmen, er ist in jeder Einstellung durchdrungen von der Vertrautheit und Zuneigung der jungen Filmemacherin zum alten Filmemacher; gerät aber nicht für einen Moment in die Gefahr, in eine Huldigung umzuschlagen. Turhan entscheidet sich für eine spielerische Halbdistanz, die in einer Szene früh im Film bei der Morgenrasur explizit wird: Der Badezimmerspiegel ist ungeputzt, das Haar nicht gekämmt, schließlich ist das hier ein Dokumentarfilm; aber einen Bademantel zieht sich Thome trotzdem an. Besonders toll ist, dass der Film sich jedem Zug ins Nostalgische konsequent verweigert (ohne deshalb die Tränen zu übersehen, die dem Regisseur kommen, wenn er an seinen Lieblingsschauspieler Marquard Bohm denkt). Kein bisschen ist das die Best-of-Thome-Revue, zu der ein solches Projekt angesichts eines umfangreichen Backkatalogs aus 28 Lang- und einer Handvoll Kurzfilmen leicht hätte werden können.( Lukas Foerster, perlentaucher.de) Trotzdem gibt es immer wieder auch ein Gefühl von Sehnsucht, ein Sich-vergessen-und-nicht-beachtet-Fühlen. Thome hat ja immer schon eine Außenseiterrolle gespielt.“

An einer Stelle sagt Thome: „Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass ich aus dem Gedächtnis der Filmwelt verschwinde.“ Damit teilt er ein Schicksal mit Regisseuren wie Michael Klier oder Roland Klick, obwohl all diese Namen einmal wichtiger Teil des deutschen Films waren. „Thome hat ja immer schon eine Außenseiterrolle gespielt. Obwohl er für viele Leute ein ganz wichtiger Regisseur ist, war er nie so erfolgreich wie Fassbinder oder andere Regisseure, die immer wieder zitiert und genannt werden. Trotzdem gibt es ein Gefühl von Verlust oder auch Traurigkeit, was ich auch in den Film integriert habe, weil es – genau wie der ehrliche Umgang damit – ein Teil von ihm ist.“ (Serpil Turhan)

 

Berlin Chamissoplatz

Am Samstag, den 17. Juni, um 20 Uhr ist für alle, die ihn bisher versäumt haben, noch einmal „Berlin Chamissoplatz“ (BRD 1980) Regie: Rudolf Thome, Drehbuch: Jochen Brunow, Rudolf Thome, Produktion: Hans Brockmann, Isolde Jovine, Musik: Ohppst, Evi und die Evidrins, Kamera: Martin Schäfer, Schnitt: Ursula West, mit Hanns Zischler: Martin Berger, Sabine Bach: Anna Bach, Wolfgang Kinder: Jörg, Gisela Freudenberg: Claudia, Alexander Malkowsky: Alex, Anna Klasse: Karin.

Berlin Chamissoplatz ist ein Film von Rudolf Thome aus dem Jahr 1980. Die Uraufführung fand am 1. November 1980 bei den Hofer Filmtagen statt. Der Film erhielt 1982 den Gilde-Filmpreis in Silber von der Gilde deutscher Filmkunsttheater.

„Berlin Chamissoplatz“ beginnt 1980 mit einem Schwenk über die Dächer von Kreuzberg, wo sich Spekulanten und Besetzer bekriegen, eine Punkband spielt, und es geht um einen Haussanierer und eine Soziologiestudentin – aber das Wichtige sind die Szenen der Privatheit, wie wenn Hanns Zischler am Klavier ein Lied singt, ein Glas Roten auf dem Flügel, und wenn Sabine Bach ihre Haare trocknet, sich im Morgenmantel aufs Sofa setzt, auch nach einem Glas greift, ihm stumm zusieht und langsam zu lächeln beginnt. Da passiert etwas zwischen zwei Menschen, wie immer bei Thome etwas zwischen Menschen geschieht, und der Regisseur betrachtet es milde und liebevoll, ironisch und distanziert. „Berlin Chamissoplatz“ gehört zu den schönsten Liebesgeschichten, gedreht vom „größten Regisseur, den keiner kennt.“ (Hanns-Georg Rodek, DIE WELT)

 

PM: W. Kraus, kinowerkstatt.de

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