Nachrichten

Montag, 28. November 2022 · bedeckt  bedeckt bei 7 ℃ · Igor Levit. No Fear. Verkaufsoffener Sonntag mit Fotoaktion „Rentierschlitten“ Rohrbacher Weihnachtsmarkt an neuem Platz

Facebook Twitter Instagram RSS Feed

Schriftstellerinnen im Grand Hotel

„Literatur von Frauen der Weimarer Republik“ – Ein literarisches Erlebnis der besonderen Art: Auch in diesem Jahr machten die außergewöhnlichen Literaturkenner Thomas Kuhn und Stefan Schwarzmüller auf Einladung der KEB Saarpfalz und des

St. Ingberter Literaturforums ILF wieder Station in der St. Ingberter Stadtbücherei . Im Gepäck hatten sie ihr neues Programm mit dem Titel „Literatur von Frauen der Weimarer Republik“, das diese ebenso schillernde wie dramatische Epoche der deutschen Geschichte sehr präsent widerspiegelte. Imaginierter Treffpunkt war die Rezeption eines Berliner Grand Hotels, und die beiden Rezeptionisten begrüßten hier nicht Revuetänzerinnen, Stubenmädchen oder Tippmamsells oder gar die anwesenden St. Ingberter Bürger, sondern die feminine literarische Avantgarde der Zwanziger Jahre, unterhielten sich über die Verfasserinnen oder ließen deren Hauptfiguren lebendig werden.

Lebhaft zum Ausdruck kam das neue Lebensgefühl von Freude und Schaffensgeist bei Frauen, die aus dem Bild des Mannes heraustraten und eigene Lebensentwürfe gestalteten. Zu Wort kamen die Journalistin und Gerichtreporterin Gabriele Tergit, die von der Bühnen- zur Schreibkunst wechselnde Irmgard Keun, die nach Hollywood übergesiedelte Bestsellerautorin Vicki Baum, die Brecht eng verbundene Ingolstädterin Marieluise Fleißer und die vor allem durch ihre Exilromane weltberühmt gewordene Mainzerin Anna Seghers.

Es wurde nicht einfach nur gelesen, sondern auch gespielt und inszeniert, erläutert und zum Nachdenken animiert. Zum ersten Mal hatten sich Kuhn und Schwarzmüller für ihr Programm personelle Verstärkung an Bord geholt: Der Pianist Lukas Neuberger, seines Zeichens Deutschlands jüngster Chorleiter, verlieh dem Literaturabend durch seine musikalische Untermalung besonderen Reiz und ließ zeitgenössische Schlager und Evergreens dezent in die Aufführung mit einfließen.
A
lle zitierten Namen standen auf der Liste des von den Nationalsozialisten als schädlich und unerwünscht diffamierten Schrifttums, was beim Auditorium starke Betroffenheit auslöste. Sämtliche dargestellten Lebensläufe wurden über die Zeit von Vertreibung und Exil bis zur Wiederentdeckung der lange verbotenen Werke im geteilten Nachkriegsdeutschland noch zu Ende geführt. All das, wie ein Besucher feststellte, ohne erhobenen moralischen Zeigefinger. Langer Beifall belohnte die Akteure des Abends, denen KEB-Leiterin Gertrud Fickinger im Namen aller Anwesenden herzlich dankte.

Dem hatte ILF-Sprecher Jürgen Bost nur noch die Ankündigung der kommenden Lesungen hinzuzufügen: Am Mittwoch, dem 16. November 2022, wird der Fernsehjournalist und Bestsellerautor Benjamin Cors seine in der Normandie angesiedelte Krimireihe um den Personenschützer Nicolas Guerlain präsentieren, und am Mittwoch, dem 30. November 2022, wird Dagmar Leupold aus München nach St. Ingbert reisen und ihren von Kritik und Lesern gleichermaßen gefeierten Roman „Dagegen die Elefanten“ in der Stadtbibliothek vorstellen.

Ein Kaffee für's Team

PER PAYPAL SPENDEN – DANKE!

Werbung

Im St. Ingberter Anzeiger werben

Tag-Übersicht

Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben

Bitte lesen Sie sich die Netiquette für unseren Kommentarbereich durch, bevor Sie einen Beitrag verfassen. Vielen Dank!

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2022