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Sonderveranstaltung der Kinowerkstatt

40 Jahre Kinowerkstatt: Rudolf Thome, einer der wichtigsten deutschen Regisseure, den Kinowerkstatt-Besuchern bekannt durch seine Filme „Berlin Chamissoplatz“ und „Rote Sonne“, wird am Dienstag, den 17. Oktober, um 20 Uhr seinen Film „Das rote Zimmer“ persönlich vorstellen.

Bereits um 18 Uhr zeigen wir den Film seiner Tochter: „Die Königin von Niendorf“ (D 2017, 67 Min.) Regie: Joya Thome. Im Anschluß an beide Filme und das Gespräch mit ihm, sind alle zu einem kleinen Umtrunk eingeladen, um gemeinsam auf 40 Jahre Kinowerkstatt anzustoßen.

„Das rote Zimmer“ (Deutschland 2010, 101 Minuten, ab 12 Jahren) mit Peter Knaack, Katharina Lorenz, Seyneb Saleh, Max Wagner, Isabel Hindersin, Hanns Zischler, Arnd Klawitter, Karlheinz Oplustil, Annika Kuhl, Anja Karmanski, Rahel Savoldelli ist „ganz wunderbar“ im wahrsten Sinne und weist, wie eigentlich fast alle Thome-Filme, mit seiner Geschichte über starke Frauen und passive Männer weit zu den Anfängen des Regisseurs zurück.

„In ‚Rote Sonne‘ von 1969 etwa gab es auch schon eine Frauen-WG (mit Uschi Obermaier), allerdings wurden damals die übergangsweise vorhandenen Männer nach getaner Pflicht umgebracht. Aber das waren auch wildere Zeiten als heute, und Thome ist ja, wie gesagt, schon siebenundsiebzig – eine Tatsache, über die er übrigens in seinem Blog regelmäßig öffentlich nachdenkt.“ (Thorsten Funke, critic.de)

Die heutigen Frauen, sie heißen Luzie und Sibil und werden gespielt von Katharina Lorenz und Seyneb Saleh: Das sich liebende Frauenpaar will dem Geheimnis Mann auf die Spur kommen und schreibt darüber ein Buch. Arbeitstitel: „Die Seele der Männer“. Probanden werden für Tiefeninterviews auf ihren einsamen Bauernhof eingeladen. Mancher Frauenversteher ist darunter, wird aber umgehend wieder zurück nach Berlin geschickt. Kein Interesse! Einer darf bleiben: Der Auserwählte ist Fred (Peter Knaack), ein frisch geschiedener Wissenschaftler, der die tatsächlich existierende Disziplin der Kussforschung betreibt. Als Fred Luzie und ihre Freundin besucht, muss er mit ihnen nackt im See schwimmen, später laden sie ihn in ihr geheimnisumwittertes „rotes Zimmer“ ein. Der Kussforscher wird von den Frauen eingeladen, mit ihnen einen Harem zu gründen.

Thome ist mit dem Alter nicht distanziert und kühl geworden, sondern geht seinen Leidenschaften und Träumen mit unerhörter Offenheit nach, in einem gelassenen Rhythmus, der selbst die gröbsten Banalitäten in die richtige Balance bringt. Es ist noch keine Minute von „Das rote Zimmer“ vorbei, da steht eine nackte Frau im Türrahmen. Eine andere entsteigt einem See, wickelt sich ein Handtuch um, setzt sich zu Fred ans Ufer, stellt sich als Venus vor und macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. „Halt die Klappe, Professor. Alle alten Männer träumen von einem Harem. Du bist da keine Ausnahme.“ Das rote Zimmer ist sozusagen die Verfilmung dieses Satzes, den Luzie einmal zu Fred sagt.

Es ist ein Film voller Erotik, aber fast ohne Sex. Mehr ein Ballett der Blicke und Bewegungen. Wenn das Auge innerhalb den Sekunden vor dem Kuss sowie dem Begehren dutzende Male von den Augen des Gegenüber auf seinen Mund blickt, dann ist das sexuell geladener als wenn die Figuren am Ende dann doch letztendlich mal nackt im Bett zusammen sind. Ein Glück dass der Film sich selbst in all der Natürlichkeit aber oft auch nicht zu ernst nimmt.

Bereits am Dienstag, 17. Oktober, um 18 Uhr zeigen wir den Film der Tochter von Rudolf Thome „Die Königin von Niendorf“ (D 2017, 67 Min.) Regie: Joya Thome, Darsteller/innen: Lisa Moell, Denny Sonnenschein, Salim Fazzani, Ivo T. Michligk, Elias Sebastin, Moritz Riek, Mex Schlüpfer, Ceci Chuh.

In dem Film von Joya Thome – er lief beim diesjährigen Max-Ophüls-Festival – geht es um eine Jungensbande. Die Zehnjährige Lea beobachtet fünf Jungs, die ein großes Ölfass über den Zaun der Farbfabrik hieven und mit ihrer Beute auf einem Fahrradanhänger davonrasen. Sie will Mitglied dieser Bande werden. Doch die Jungs wollen keine Mädchen in ihrer Bande, lassen sich aber auf eine Mutprobe für Lea ein. Sie besteht die Mutprobe und wird in die Bande aufgenommen. „… man darf sich als Zuschauer in einer lichtdurchfluteten Dorfidylle entspannen, die zumindest für junge Stadtbewohner wie eine Reise auf einen fernen Planeten wirken dürfte: In Niendorf treffen sich die Kinder noch im Baumhaus, lassen im Tante-Emma-Laden anschreiben, unterhalten sich per Walkie-Talkie, paddeln mit dem selbst gebauten Floß über den Teich und hecken alberne Mutproben aus, statt Wände vollzuschmieren, Computer-Gegner hinzurichten oder sich gegenseitig mit dem Smartphone in der Hand anzuschweigen. Gibt es das heute wirklich noch? Schön wär’s ja.“ (Rick Reitler, Max-Ophüls-Preis-Kritik)

Bei dem Film seiner Tochter Joya wird Rudolf Thome ebenfalls anwesend sein und einiges zum Film sagen.

Da die Karten auch zu der Veranstaltung mit Rudolf Thome sehr nachgefragt sein werden, besteht bereits ab sofort die Möglichkeit, sich vorab Karten zu den üblichen Preisen an der Kinokasse zu sichern.

 

PM: W. Kraus

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