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Sprachzauber und Liebeswirren

Tief beeindruckt zeigten sich die zahlreich erschienen Zuhörer von der Begegnung mit Ralph Dutli.

Margarete Junk, Stadtbücherei St.Ingbert, und Jürgen Bost, Sprecher des St. Ingberter Literaturforums konnten den in Heidelberg lebenden Schweizer Autor zu einer kurzweiligen Lesung im Saarland begrüßen.

Jürgen Bost stellte zunächst den prominenten Gast vor und plauderte über Ralph Dutlis vielschichtigen literarischen Werdegang als Essayist, Übersetzer, Herausgeber, Lyriker und neuerdings auch Romancier. Insbesondere präsentierte er den für den Deutschen Buchpreis nominierten Erstlingsroman „Soutines letzte Fahrt“, der in einem kunstvoll entwickelten Bewusstseinsstrom mit einer Fülle ebenso bizarrer wie berührender Bilder ein tragisches Künstlerschicksal aus dem letzten Jahrhundert enthüllt.

Ralph Dutli hatte für den Abend den Roman „Die Liebenden von Mantua“ ausgewählt. Das gleichfalls vielfach prämierte Werk nimmt als Ausgangspunkt einen archäologischen Sensationsfund aus dem Jahre 2007, die Auffindung jahrtausendealter Skelette aus der Jungsteinzeit, die so ineinander verschränkt waren, als ob sie sich liebevoll umarmten.

Das Verschwinden des Fundes, das Auftreten weiterer liebender Paare und die Ambitionen eines dubiosen Grafen, der im Zeichen dieser Entdeckung eine neuartige Religion der Liebe begründen möchte, prägen den weiteren Erzählverlauf. In einer Zwischenwelt aus Realität und Traum flimmert in wunderschönen poetischen Passagen das Mantua der Renaissance auf, werden das Fürstenhaus Gonzaga und der Maler Mantegna vergegenwärtigt, geschehen rätselhafte Morde. Hier war ein Sprachvirtuose am Werk, dessen Begeisterung und Faszination auch auf die Zuhörer übersprangen.

Das Auditorium zeigte sich begeistert vom Auftreten Ralph Dutlis und stellte dem Autor noch zahlreiche Fragen, insbesondere über seine Tätigkeit als Übersetzer aus dem Russischen und Altfranzösischen, seine Recherchen zur Aufbereitung schwieriger Themenbereiche und zu seinen Sachbüchern, die jeweils eine Kulturgeschichte der Olive und der Honigbiene präsentieren. Als Zugabe bot Ralph Dutli den Zuhörern, die gar nicht genug hören konnten, noch Auszüge aus dem „Liebesbestiarium“ des Richard de Fournival. Diese erstaunlichen Texte aus einer Welt der Entgrenzung und Enthemmung, im 13. Jahrhundert in Nordfrankreich entstanden, wirken auf heutige Rezipienten sehr emanzipatorisch und in Teilen schon feministisch.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Jürgen Bost dem Gast für seine wortschönen Texte und eloquenten Darbietungen und kündigte für das kommende Arbeitsjahr des St. Ingberter Literaturforums zunächst weitere Begegnungen mit Autoren aus unserer Region an.

 

PM: Jürgen Bost
ILF St. Ingbert

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