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„Unkraut“ jäten mit dem Bagger

Foto: Mitarbeiter des Saarpfalz-Kreises entfernen mit einem Bagger auf Spezialketten die Rhizome des Rohrkolbens, der allmählich die Orchideen und das Wollgras in dem Quellsumpf im Gersheimer Orchideengebiet verdrängte.

Mit einem Bagger rückten Mitarbeiter des Saarpfalz-Kreises während der Frosttage der vergangenen Wochen dem Kalkquellsumpf oberhalb des Gersheimer Orchideengebietes zu Leibe. In Zusammenarbeit mit dem Zweckverband „Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe“, dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) als untere Naturschutzbehörde, und dem Zentrum für Biodokumentation in Reden führte die Kreisverwaltung eine ganz besondere Maßnahme zum Schutz von Natur- und Landschaft durch.

Unweit der Pfarrer Lindemann Hütte in Gersheim gibt es ein kleines Sumpfgebiet, einen so genannten Kalkquellsumpf, dessen kalkhaltiges Wasser einen ganz besonderen Lebensraum speist. Verschiedene Sauergräser, Binsen, Moose und Algen aber auch Pflanzen wie der Baldrian, die Sumpfdistel, die Wasserpfefferminze, der Blutweiderich, das Tausengüldenkraut sowie das Weidenröschen, um nur einige zu nennen, zieren den moorigen Quellaustritt.

Als Besonderheiten gedeihen hier das seltene Breitblättrige Wollgras, die Gewöhnliche Natternzunge, eine besondere Farnart, sowie seltene, den feuchten Kalkboden liebende Orchideen wie besielsweise das Gefleckte Knabenkraut, das Fleischfarbene Knabenkraut, das Breitblättrige Knabenkraut und die Sumpf-Stendelwurz.

Auf Initiative des früher an der Universität des Saarlandes lehrenden, inzwischen im Ruhestand lebenden Botanik-Professors, Prof. Dr. Rüdiger Mues aus Sankt Ingbert, wurde in dem Kalkquellsumpf eine größere Fläche des häufig vorkommenden Breitblättrigen Rohrkolbens entfernt. Der Rohrkolben, der in unseren Breiten fast überall, wo Wasser ist, wächst, hatte mit seinen unterirdischen Ausläufern einen Großteil des wertvollen Sumpfes durchwuchert und die oben genannten seltenen Pflanzen verdrängt.

Mit viel Engagement hatte Professor Mues die Maßnahme schon seit geraumer Zeit vorbereitet. Bereits vor zwei Jahren hatte man auf seinen Hinweis hin mit einer Pflegegruppe des Saarpfalz-Kreises begonnen, den sumpfigen Quellaustritt wieder regelmäßig zu mähen. Danach hatte Mues festgestellt, dass die seltenen Pflanzen durch die Pflegemaßnahmen wieder „Licht und Luft“ bekommen und sich auch wieder ausbreiten. Dabei hatte er jedoch auch beobachtet, dass der dicht vorkommende Rohrkolben diese positive Entwicklung durch seine starken Wurzelausläufer stört. Sein mühevolles Engagement zum Abschneiden hunderter von Rohrkolbentrieben am Rand des zentralen Rohrkolbenbestandes zeigte zwar Wirkung, eine Bekämpfung des großen Zentralbestandes, etwa durch Ausstechen der unterirdischen Triebe mit einem Spaten, war jedoch unmöglich. Deshalb hat er die Behörden um den Einsatz eines kleinen Baggers zur Pflege des Biotops gebeten.

Die Idee war, den Rohrkolben mit seinen Rhizomen, so nennt man die unterirdischen Triebe wissenschaftlich, bei gefrorenem Boden ohne größere Schäden des übrigen Untergrundes im Quellsumpf auszubaggern.

Wie der Umweltdezernent des Saarpfalz-Kreises, Dr. Gerhard Mörsch, mitteilt, haben die Mitarbeiter der Bauschutt- und Erdmassendeponie des Saarpfalz-Kreises ganz sorgsam, vorsichtig und quasi in mühevoller Kleinarbeit mit einem Spezialbagger den Rohrkolben entfernt und zunächst am nahe gelegenen, asphaltierten Feldweg bis zum Abtransport zur Kompostanlage des Kreises zwischengelagert. Der Radlader der Deponie übernahm bei den Schneeverhältnissen der vergangenen Frosttage den Transport aus dem Gebiet zum Feldweg. So gab es auch viel Lob für die gute Arbeit der Mitarbeiter der Deponie. Die Kosten für den Abtransport und die Anmietung des Baggers hat der Saarpfalz-Kreis im Rahmen seiner freiwilligen Leistungen für den Naturschutz übernommen.

Professor Mues zeigte sich sehr zufrieden über den Verlauf der Maßnahme. Er geht davon aus, dass die Vegetation des Kalksumpfes die abgeschobene Fläche im Frühjahr und in den Folgejahren zügig wieder erobert und sich insbesondere die besonders schützenswerten Arten durchsetzen werden. „Der Frost bot jetzt die einzige Chance die Pflegemaßnahme in dem sensiblen Kalkquellsumpf durchzuführen“, freute sich Professor Mues. Der Sankt Ingberter ist bereit, die Fläche auch in den kommenden Jahren wissenschaftlich zu untersuchen und den Erfolg der gemeinsamen Biotoppflegemaßnahme zu dokumentieren.

Die Leiterin des Fachbereichs „Naturschutz“ im Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, Claudia Schneider, zeigte sich ebenfalls zufrieden über den reibungslosen Ablauf der Maßnahme, die als Biotoppflegemaßnahme vollständig im Einklang mit den Zielen des Naturschutzgebietes „Südlicher Bliesgau-Auf der Lohe“ steht.

Die am Wegrand noch zwischengelagerten Bodenmassen sollen in Kürze über den Asphaltweg unterhalb der Pfarrer Lindemann Hütte abgefahren werden. Dann ist die Naturschutzmaßnahme noch weit vor dem Vegetationsbeginn abgeschlossen. Professor Mues hat sich bereit erklärt, im Mai nach Beginn der Vegetationsperiode eine Exkursion in den Kalkquellsumpf anzubieten und die Pflanzengesellschaften dort sowie die jetzt durchgeführten Pflegemaßnahmen zu erläutern. Der Termin wird rechtzeitig in der Presse mitgeteilt.

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