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Unterhaltsames Festival lothringischer Mundartdichtung

Rund hundert Besucher waren in die St. Ingberter Stadtbibliothek gekommen, um sich anlässlich der Vorstellung des im Röhrig Universitätsverlags erschienen Sammelbands lothringischer Mundartdichtung mit der reichen Literatur unserer Nachbarregion zu befassen.

Ungewohnte Laute und Klänge waren zu hören, doch jede Schwellenangst erwies sich als überflüssig, denn das Lothringische in seinen unterschiedlichen Spielarten war bestens zu verstehen.

Die Lesung des St. Ingberter Literaturforums (ILF), getragen von Melusine und Gau un Griis – Literarischen Gesellschaften für die Großregion Saar-Lor-Lux-Elsass- stand unter dem Motto „Von Bitche nach Thionville“. So lautet auch gleichzeitig der Titel der von Hervé Atamaniuk und Prof. Günter Scholdt herausgegebenen Anthologie, des vierzehnten Bands in der Reihe „Sammlung Bücherturm“, der die Beiträge ebenso wortmächtiger wie engagierter Repräsentanten des Francique versammelt. Ein ganzes Ensemble von Mitwirkenden war zu dieser „multimedialen Performance“ erschienen, die seitens des Auditoriums sowohl höchste Aufmerksamkeit als auch herzhaftes Lachen hervorrief.

Der hinreichend bekannte Klassiker „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry wurde dank Marianne Haas-Heckel aus Sarreguemines als „De Klääne Prinz“ dargeboten und ging allen Beteiligten nicht zuletzt auch dank der Bildregie von Volker Schütz so recht zu Herzen. Lucien Schmitthäuslers Version von Goethes Ballade kam als „De Erlekinich“ genauso von einer CD zu Gehör wie „Die Gehingte“ nach Francois Villon. Auch die eingespielte Musik der „Zottel Kéniche“ mit „S’arme Dorfschulmeisterlein – einen pädagogischen Hungerleider, dessen Sternstunden kommen, wenn es auf Kosten anderer reichlich zu essen und zu trinken gibt – erfuhr so eine ihr gebührende Würdigung.

Sehr viel Tiefgang gab es im weiteren Verlauf dank Jean-Louis Kieffers Erzählungen und Gedichten. Kindheitserinnerungen an den Zwang, in der Schule Französisch reden zu müssen, wurden ebenso heraufbeschworen wie der Papa Noël, dessen amerikanischer Gegenentwurf zur Rückkehr in seine Heimat aufgefordert wurde: „Hascht neischt be us ze suchen, geh zreck in dein Kaugummiland!“

„D’Inbildungskranke“, links Céline Senger, rechts Alphonse Walter

Die Schauspielerinnen Céline Senger und Michèle Kouver vom „Lothringer Theater“ aus Meisenthal mussten sich mit dem eingebildeten Kranken, einer unvergesslichen Gestalt nach Molière, auseinandersetzen. „D’Inbildungskranke“ – souverän verkörpert vom Autor Alphonse Walter – trieb dem Publikum vor Lachen über so viel Hypochondrie und Intrigantentum die Tränen in die Augen. Mitherausgeber Hervé Atamaniuk, seines Zeichens Kulturamtsleiter von Sarreguemines, brachte zum Abschluss gemeinsam mit Roland Helm (Gruppe „Schaukelperd“) lothringische Arbeiterlieder und einen zeitkritischen Bauernblues zu Gehör.

Gruppe Schaukelperd (links Atamaniuk, rechts Roland Helm)

Am Ende dieser „Leistungsschau“ lothringischer Mundartdichtung wollte der Beifall des Publikums für das imposante Aufgebot der Akteure kein Ende nehmen. ILF-Sprecher Jürgen Bost zeigte sich höchst zufrieden mit dem Verlauf des Abends und kündigte zum Jahresabschluss des St. Ingberter Literaturforums für Mittwoch, den 14. Dezember 2016, die Präsentation eines Bildbands über St. Ingbert an.

 

PM: J. Bost

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