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Ursachen und Folgen von Kindesvernachlässigung

Heinz Kindler vom Deutschen Jugendinstitut München referierte beim Kinderschutznetzwerk Saarpfalz zum Thema „Kindesvernachlässigung – die schwierigere Form der Kindesmisshandlung“.

Das Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz beauftragt die Jugendämter in Deutschland mit der Organisation von Kinderschutznetzwerken. Aktuell stand auf der Netzwerk-Agenda im Saarpfalz-Kreis das Thema „Kindesvernachlässigung – die schwierigere Form der Kindesmisshandlung“. Hierzu konnte das Kreisjugendamt den international renommierten Dipl.-Psychologen Heinz Kindler vom Deutschen Jugendinstitut in München als Referenten gewinnen. Kindler erläuterte, dass sich in jedem zweiten Fall der Verdacht auf eine Vernachlässigung eines Kindes bestätige, wenn sich Fachkräfte in Kinderschutzfragen an Gerichte wenden. Anhand zweier Kinderzeichnungen zeigte er exemplarisch, wie Kinder ihre Umwelt wahrnehmen. Während ein Kind, das mit sorgenden Eltern in einer anregenden Umgebung aufwuchs, ein buntes Bild mit Menschen, Tieren und Pflanzen malte, malte ein vernachlässigtes Kind eine öde Landschaft mit einem Haus, das aussah, als sei es dem Verfall preisgegeben, ohne jegliche Lebewesen. „Die Vernachlässigung ist die andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns von Eltern oder anderen verantwortlichen Personen zur Sicherstellung der seelischen und körperlichen Versorgung des Kindes.“ erläutert der Experte für Familienhilfe und Kinderschutz. Der Gesetzgeber unterscheidet nicht, ob diese Unterlassung aktiv oder passiv, das heisst, bewusst oder unbewusst geschieht. „Eigentlich ist es klar und ganz einfach: Kinder brauchen ein positives, liebevolles und gewaltfreies Umfeld. Sie brauchen einen geschützten Raum, in dem sie unbeschwert aufwachsen können. Die große Mehrzahl der Eltern in Deutschland und im Saarpfalz-Kreis bietet ihren Kindern diesen Schutzraum.“, unterstreicht Landrat Theophil Gallo bei der Begrüßung der TagungsteilnehmerInnen.

Doch was passiert, wenn es zur Kindesvernachlässigung kommt? Aus den Erfahrungen des Kreisjugendamtes berichtet dessen Leiter Klaus Guido Ruffing über Folgen von Kindesmisshandlungen: „Kinder, die von ihren Eltern stark vernachlässigt werden, leiden häufig noch im Erwachsenenalter unter Gefühlsarmut, Kälte bis hin zur Einschränkung von Schmerzempfindlichkeit. Ihnen fällt es nicht leicht, anderen Menschen zu vertrauen, sie neigen zu Depressionen und sind anfällig für Suchterkrankungen.“ Die Besonderheit liege auch darin, dass diese Personen, auch wenn sie sich immer wieder vornehmen, ihre Kinder anders zu erziehen, häufig in die alten ihnen bekannten Muster zurückfallen, so Kindler. Deshalb ist Unterstützung über Leistungen der Jugendhilfe für diese Eltern eine enorm wichtige, geradezu unerlässliche Investition in eine bessere Zukunft der kommenden Generationen. Eine Mitarbeiterin aus der Gesundheitshilfe resümiert: „Das große Wissen von Kindler und seine Praxisbeispiele haben mir auf manche mir bekannten Fälle eine neue Perspektive eröffnet. Nicht nur die Misshandlung von Kindern sollte stärker gesellschaftliche Beachtung finden, noch weit wichtiger finde ich dies für die schwierigen und unterschiedlichen Formen der Kindervernachlässigung.“ „Eine Pflanze, die nicht gegossen, nicht ins Licht gerückt wird, die nicht gepflegt wird und keine Beachtung findet, verkümmert und verdorrt“, so Landrat Gallo in seinem Statement.

Titelbild:
Heinz Kindler referiert vor einem interessierten Fachpublikum im Homburger Forum.

 

PM: B. Ruffing, SPK

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