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Verbraucherzentrale Saarland stellt Jahresbericht 2013 vor

Auch im Jahr 2013 war die Verbraucherzentrale Saarland eine wichtige Anlaufstelle für ratsuchende Verbraucherinnen und Verbraucher.

In fast 48 000 Fällen (+ etwa 72 000 Internetkontakte) erhielten Bürgerinnen und Bürger Hilfestellung in persönlichen Gesprächen, telefonisch oder bei Veranstaltungen. In der Zentrale Saarbrücken, in den Außenstellen Dillingen, Merzig und Neunkirchen und in zwölf weiteren Energiestützpunkten beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Fragen der Telekommunikation/Internet, allgemeine Dienstleistung, Energie, Finanzdienstleistungen, Lebensmittel und Ernährung sowie Freizeit und Konsumgüter. Ein Einsatz, der sich lohnt: In einer aktuellen Studie der TNS EMNID in Rheinland-Pfalz/Saarland zeigen sich 86 % der Befragten zufrieden mit den Beratungserfahrungen bei den Verbraucherzentralen.

Auch im vergangenen Jahr sind viele neue Formen von unlauteren Geschäftsprak-tiken aufgetaucht. Die Themen und Aufgabengebiete in der Verbraucherberatung werden daher immer komplexer. „Dabei stellen wir mittlerweile eine profunde Vorabinformation bei den Ratsuchenden fest.“, so Geschäftsführer Jürgen Zimper. „Dies spiegelt sich im Beratungsgespräch wider. Im Jahr 2013 konnten wir eine Verschiebung von Kurzkontakten zu längeren, gezielten Beratungen und umfas-senden Rechtsbesorgungen verzeichnen.“

Für die Rechte der Verbraucher war das Jahr 2013 ohnehin richtungsweisend: Durch Ansiedlung im Bundesministerium für Justiz erhielt der Verbraucherschutz ein Initiativrecht für Gesetze. Darüber hinaus soll mit dem Einrichten von Markt-wächtern in den Bereichen Finanzmarkt und Digitale Welt eine neue Dimension von Verbraucherarbeit geschaffen werden. Dies haben CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

In den besonderen Fokus der Verbraucherzentrale Saarland rückt derzeit das ge-plante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Durch den Ab-bau von Zöllen und Handelshemmnissen sollen Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze entstehen. Kritiker allerdings befürchten eine Aufweichung der Stan-dards bei Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.  Im Jahr 2013 stellten die so genannten Cold Calls (Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung) mit unerwünschten Auftragsbestätigungen für Gewinnspiele wieder ein besonderes Ärgernis dar. Die Intervention der Verbraucherzentrale hat in vielen Fällen verhindert, dass die Unternehmen ihre vermeintlichen Forderungen geltend machten. Auf Initiative der Verbraucherzentrale hat der Gesetzgeber 2012 die Vor-schriften zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung verschärft. Telefonisch geschlossene Verträge über die Teilnahme an Gewinnspielen werden nur bei einer anschließenden schriftlichen Bestätigung wirksam. Hier wird die Verbraucherzentrale genau beobachten, wie sich die Gesetzesänderung in der Praxis auswirkt.

Erfolge verzeichnet auch die Energiesparberatung: Die angebotenen Energie-checks vor Ort wurden im vergangenen Jahr erfreulich gut von den saarländischen Bürgerinnen und Bürgern angenommen. Insgesamt konnten 746 Checks durchge-führt werden. Mit 746 Energie-Checks hat das Saarland bundesweit die höchste Dichte an Energie-Checks pro Einwohner. Theresia Weimar-Ehl vom Energieteam: „Das zeigt, dass unsere Arbeit Früchte trägt“.

Um Ressourcenschonung ging es auch im Fachbereich Ernährung. In Deutschland landen jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll, pro Kopf rund 80 Kilogramm Lebensmittel im Wert von durchschnittlich 235 Euro. Auf diesen Missstand hat die Verbraucherzentrale 2013 mit Aktionen in Schulklassen aufmerk-sam gemacht. „Wer weiß, mit welchem Aufwand an Grundstoffen, Arbeitszeit und Energie Lebensmittel produziert werden, empfindet eine höhere Wertschätzung diesen Produkten gegenüber“, so Barbara Schroeter, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale. Diese spiegelt sich auch in den Themen der Internetseite www.saarlaendlich.de wider, die von der Verbraucherzentrale betreut wird. Nicht nur über die regionale Landwirtschaft, sondern auch über bundesweit diskutierte Themen wird berichtet: so z. B. der Pferdefleischskandal oder die Probleme durch Antibiotika in der Tierhaltung. Zu Wort kommen in fast jedem Artikel selbstver-ständlich die landwirtschaftlichen Erzeuger und andere interessante Menschen aus der Region. In der Rubrik „Das Produkt des Monats“ lernt der Leser bei saarländlich.de einheimische Gemüsesorten der Saison mit ihren Besonderheiten und Nährwerten kennen.

Großer Beratungsbedarf bestand ebenfalls im Zusammenhang mit dem Thema „Private Altersvorsorge“. „Durch das unübersichtliche Angebot, die Vielzahl der Produkte und die widersprüchliche Berichterstattung in den Medien sind die Ver-braucher verunsichert. Zielsetzung unserer Beratung ist es, Wege für eine passen-de und effiziente Form der Absicherung aufzuzeigen.“, so Fachberater Werner Kie-fer.  Die zweite Reform des Insolvenzrechtes vom 1. Juli 2014 stellt die Schuldner- und Insolvenzberatung vor eine große Aufgabe. Hier gilt es, die Verbraucher umfas-send über Möglichkeiten, aber auch Fallstricke zu informieren. Jürgen Zimper: „Die Verkürzung des Insolvenzverfahrens auf drei Jahre sehen viele Verbraucher als vielversprechend an. Den meisten ist allerdings unbekannt, dass der Schuldner bei einer Begrenzung auf drei Jahre 35 % an die Gläubiger zzgl. Verfahrenskosten zahlen muss. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Weiterhin hat die Verbraucherzentrale Saarland im Jahr 2013 ihre Präventionsarbeit im Vergleich zu den Vorjahren verstärkt. So konnten beispielsweise über Vorträge, Infostände und Aktionen wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet und das Bewusstsein der Bevölkerung für verbraucherrelevante Themen geschärft werden.

Die zunehmende Marktöffnung durch Globalisierung mit den damit verbundenen Risiken für den Verbraucherschutz zeigt die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen auf. Hier ist insbesondere das Interreg-Projekt „Grenzüberschreitende Werkstatt zur Verhinderung von Überschuldung“ mit belgischen, lothringischen und luxemburgischen Partnern hervorzuheben. Zielsetzung ist eine Gesamtinitiative zur Vorbeugung von Überschuldung in der Großregion. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) Saarbrücken entstand dabei ein interaktives Lernspiel, dessen Trailer zurzeit online verfügbar ist.

Die Arbeit des vergangenen Jahres hat die Weichen gestellt für die Handlungsfelder der Zukunft. So wird sich die Verbraucherzentrale Saarland durch intensive Lobby-Arbeit und einen Ausbau der Kooperationen noch stärker den negativen Ef-fekten einer steigenden Globalisierung stellen. „Nach wie vor stellt uns auch der demografische Wandel vor neue Herausforderungen“, so Jürgen Zimper. Laut EMNID-Studie ist den Älteren die Vor-Ort-Beratung besonders wichtig. Es geht also darum, auf bestehende lokale Netzwerke zurückzugreifen und neue Beratungsfor-mate für Senioren zu entwickeln. Die Studie zeigt auch, dass die Verbraucherzent-rale mit ihren Angeboten bei den unter 35-Jährigen wenig bekannt ist. Der Ausbau der Präsenz in den sozialen Netzwerken zum Erreichen der jungen Zielgruppe wird deshalb ein wichtiges Aufgabengebiet für die Zukunft sein.

Jürgen Zimper
Geschäftsführer
Verbraucherzentrale des Saarlandes e. V.

 

PM: Petra Jakschik,
Sekretariat der Geschäftsführung

 

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