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Von der Deportation nach Gurs 1940

Gedenkveranstaltung im Stadtarchiv Homburg: Am 22. Oktober vor 80 Jahren kam es zur ersten großen Deportation von Juden aus dem Deutschen Reich. Nach ihrer Verfolgung, Demütigung und wirtschaftlichen Vernichtung

wurden über 6500 Juden aus ihrer pfälzischen, badischen und saarländischen Heimat in das Internierungslager Gurs in Frankreich am Rande der Pyrenäen verschleppt. Diese Maßnahme ging von Josef Bürckel, Gauleiter Saarpfalz, und Robert Wagner, Gauleiter Baden, aus und sah vor, alle Jüdinnen und Juden aus ihrem Machtbereich zu vertreiben. Aus dem Saarland stammten 134, zumeist ältere Menschen, aus Homburg 15.

Ursprünglich sollte eine Ausstellungseröffnung unter dem Titel „Gurs 1940. Deportation und Ermordung südwestdeutscher Jüdinnen und Juden“ auch in Homburg stattfinden; sie musste jedoch aufgrund der Pandemie auf den 8. April 2021 verschoben werden. Die Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes koordiniert jedoch auch weitere Projekte im Gurs-Gedenkjahr, wie beispielsweise die Gedenkveranstaltung, die am 22. Oktober dankenswerterweise im Stadtarchiv Homburg unter Beachtung der Corona-Regeln durchgeführt werden konnte.

Im Beisein u. a. von Dr. Sabine Graf von der Landeszentrale für politische Bildung, Raimund Konrad, Beigeordneter der Stadt Homburg, und Dieter Knicker, Erster Kreisbeigeordneter, sprach der Historiker Roland Paul über das Schicksal jener Menschen, die 1940 auf eine „Reise“ gezwungen wurden. Für viele endete diese grausam – auch für Rosalie Salmon aus Homburg.

Roland Paul: „Aus den Dossiers der Gurs-Internierten, die ich im Archiv in Pau einsehen konnte, erhält man eine Vorstellung von der verzweifelten Lage, in der sich die Menschen befanden. Ungezählte Anträge auf Entlassung wegen beabsichtigter Auswanderung oder die Bitten um vorübergehende Beurlaubung, um sich einige Tage in einem Ort außerhalb des Lagers aufhalten zu dürfen. Einige kamen auch in benachbarte Krankenhäuser, wo manche bald nach ihrer Einlieferung verstarben.“ Er wusste auch zu berichten: „Von den am 22. Oktober 1940 deportierten Saarländern mussten nach bisherigen Feststellungen mindestens 66, möglicherweise 75 Personen den Weg über das Zwischenlager Drancy nach Auschwitz antreten. 14 Menschen waren nachweislich in Gurs verstorben.“ Seinen Vortrag schloss Roland Paul mit dem Appell, die Namen und Schicksale der Gurs-Deportierten festzuhalten, „damit sie nicht ganz vergessen werden“.

Abschließend stellte Matthias Pöhler, Geschichtslehrer am Saarpfalz-Gymnasium, Inhalte seines Seminarfaches „Erinnerungsarbeit Gurs“ in der Klassenstufe 11 vor. Neben einer gemeinsam zu erstellenden Broschüre soll eine App zu Erinnerungsorten in Homburg führen, sprich die Biografien jener Menschen rekonstruieren, die deportiert wurden.

Landrat Dr. Theophil Gallo: „Dem Saarpfalz-Kreis ist die stetige Pflege einer Erinnerungskultur ein großes Anliegen. Diese Pflege des Andenkens sind wir denen, die gelitten haben, einfach schuldig, in unserer schnelllebigen Gesellschaft darf so etwas nicht untergehen. Auch die geplante Ausstellung im kommenden Jahr wird dazu beitragen. Die 26 Wandtafeln werden dem Saarpfalz-Kreis von der Landeszentrale für politische Bildung kostenfrei zur Verfügung gestellt, die dann zunächst im Stadtarchiv Homburg zu sehen sein werden. Ich kann mich den Worten von Roland Paul nur anschließen: Es bleibt unverzichtbar, dass wir uns immer und immer wieder erinnern. Dass wir mahnen in der festen Hoffnung, dass sich die Gräueltaten eines Naziregimes nicht wiederholen.“

Die Landeszentrale für politische Bildung hat einen Flyer konzipiert, der Hintergrundwissen zu den damaligen Geschehnissen liefert. Er ist an der Informationszentrale unserer Kreisverwaltung erhältlich. Alle Inhalte sind auch unter www.gurs.saarland nachzulesen.

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