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Wie sieht die Medienwirklichkeit von Kindern und Jugendlichen aus?

Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und Jugendschutzprogramme in der Diskussion.
Wie sieht die Medienwirklichkeit von Kindern und Jugendlichen aus, mit welchen Inhalten sind sie konfrontiert und gibt es wirksame Jugendschutzprogramme?

Mit diesen Fragen befasste sich eine Fachveranstaltung der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) am 06. Dezember 2013 in Saarbrücken. Zahlreiche Teilnehmer aus den Bereichen Erziehung, Schule, Jugendhilfe und Me-dien nutzen diese Gelegenheit zur Information und Diskussion.
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) erhebt jährlich aktuelle Daten zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Sie werden seit 1999 in den Studienreihen KIM (Kinder + Medien) für die Altersgruppe 6 bis 13 sowie JIM (Jugend + Medien) für die Altersgruppe 12 bis 19 Jahre zusammengefasst. 2012 enthielt die KIM-Studie zudem erstmals einen Sonderteil zum Medienverhalten von Kindern im Vorschul- und Kindergartenalter (2 bis 5 Jahre). Ende November 2013 erschien die aktuelle „JIM-Studie 2013“.
Auf Einladung der LMS vermittelte der Leiter der Geschäftsstelle des mpfs, Thomas Rathgeb, auf der Grundlage der aktuellen Daten einen konzentrierten Einblick in dieses umfangreiche Material. Er stellte dabei insbesondere die nach wie vor sehr hohe Relevanz des Fernsehens in der Medienwelt von Kindern heraus, die mit zu-nehmendem Alter abgelöst wird durch eine stark ansteigende Nutzungsdauer des Internets bei Jugendlichen. Hier ist eine Steigerung der täglichen Online-Nutzung von 131 Minuten (2011) auf 179 Minuten (2012) zu verzeichnen. Der Großteil dieser Zeit wird nach Angaben der Jugendlichen für den Bereich Kommunikation verwendet, vor allem die Nutzung von Online-Communities spielt dabei für viele eine zent-rale Rolle. Ebenfalls erheblich angestiegen ist der Zugang zum Internet über Smartphone oder Handy. 73 Prozent der jugendlichen Internetnutzer haben in den 14 Tagen vor der Befragung das Internet über ihr Smartphone genutzt. Über die letzten Jahre betrachtet hat somit eine Veränderung des Nutzungsverhaltens statt-gefunden, die geprägt ist von Mobilität und Parallelnutzung mehrerer Medien.
Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich dem aktuellen Stand der Jugendschutzprogramme für das Internet. Der Leiter des Referats Technischer Jugend-schutz bei der Fachstelle Jugendschutz.net, Mark Bootz, informierte über Altersveri-fikationssysteme und Jugendschutzprogramme. Fragen zu deren Funktion, Zuverlässigkeit und Handhabbarkeit standen dabei im Vordergrund, aber auch Probleme bei Nutzung und Verbreitung wurden erörtert. Ein aktueller Filtertest von Jugend-schutz.net hat laut Bootz gezeigt, dass die Filter noch nicht in der Lage sind mit Web 2.0-Inhalten umzugehen. Auch sei noch keine wesentliche Weiterentwicklung bei der Wirksamkeit der Filter festzustellen, die nach wie vor bei nur ca. 80 % liege. „Eine Quote, die z. B. für Virenschutzprogramme indiskutabel wäre“, so Bootz. Aus Sicht des Jugendschutzes sei es außerdem notwendig, für eine Standardisierung von Jugendschutzprogrammen zu sorgen, die für unterschiedliche Endgeräte konfiguriert werden könnten.

Der stellvertretende Direktor der LMS, Dr. Jörg Ukrow, erläuterte als Gastgeber der Fachtagung das Anliegen der LMS, neue Erkenntnisse der Forschung aufzugreifen, um bestehende Regulierung im Bereich des Jugendschutzes zu überprüfen und weiter zu entwickeln. Angesichts eines seit 10 Jahren fast unveränderten Staatsvertrages zum Jugendmedienschutz sei eine Nachsteuerung dringend geboten. Dies betreffe sowohl die Abgrenzung von Rundfunk und Telemedien als auch die Inpflichtnahme von Herstellern und Plattformanbietern. Zudem sei der Gesetzgeber gefragt, die längst durch die Lebenswirklichkeit überholten Alterseinstufungen des Jugendschutzgesetzes den Erkenntnissen der Kinder- und Jugendforschung anzupassen. „Neben allen Bemühungen nationaler Regulierung muss aber auch auf international gültige Schutzstandards hingewirkt werden. Anbieter- und Erziehungsverantwortung müssen dabei in einem Zusammenhang betrachtet werden, neben Regulierung und Selbstregulierung bleibt auch die Förderung von Medienkompetenz eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe“, so Ukrow.

Die aktuelle JIM-Studie ist abrufbar unter www.mpfs.de

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