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Zwischen Kabarett und Kritik

33. Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung: Vor 188 Jahren, am 29. Januar 1832, fand im Zweibrücker Stadtteil Bubenhausen zu Ehren des Landtagsabgeordneten Friedrich Schüler ein Festbankett statt.

Solche Treffen hatten zur damaligen Zeit sehr politischen Charakter und sollten angesichts strenger Bespitzelung durch die Staatsgewalt das eingeschränkte Versammlungsrecht umgehen. Mehr als 350 Personen kamen auf Initiative von Johann Georg August Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer zusammen. Das Treffen vom 29. Januar 1832 war die Geburtsstunde des „Preß- und Vaterlandsvereins“, dessen Zielsetzungen die Unterstützung liberaler Zeitungen und verfolgter Journalisten sowie die Durchsetzung einer demokratischen Gesellschaftsordnung waren. Soweit die Historie, kommen wir zur Gegenwart.

Das Ereignis von 1832 fand seine erstmalige Fortsetzung 1987 mit dem Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung. Die Initiative dazu ging dabei vom Saarpfalz-Kreis aus –dieser fühlte sich Leben und Werk des Vorkämpfers für Freiheit und Demokratie aus besonderem Grund verpflichtet: Philipp Jakob Siebenpfeiffer war von 1818 bis 1830 erster „Landcommissär” des ehemaligen Landkreises Homburg und bekam in dieser Position sowohl Einblicke in wirtschaftliche und soziale Probleme als auch in politische Missstände – und er benannte sie.

Auch beim diesjährigen, mittlerweile 33. Festbankett im Homburger Forum ließen die Redner des Tages nicht davon ab, den Finger in die Wunde zu legen. Dazu zählte der Kölner Kabarettist und Journalist Stefan Reusch, der auf Anregung von Landrat Dr. Theophil Gallo, Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung, als Ehrengast geladen war. Nichts anderes war von dem gewieften Satiriker zu erwarten, der den gut 250 Gästen im voll besetzten Saal schon vor der Eröffnung des geschätzten kulinarischen Büfetts wortakrobatische Häppchen servierte, die diese sich auf der Zunge zergehen lassen konnten – oder mussten. Wenngleich auch Siebenpfeiffer selbst dabei nicht ungeschoren davon kam („Großer Kaiser der Mai-Freiheit“), so standen doch die Themen Internet, soziale Medien, die heutige Medienlandschaft und aktuelle journalistische Debatten („Oma-Umwelt-Sau-Song“) im Mittelpunkt seines Festvortages mit dem Titel „Business mit Biss – Sprache darf wehtun“. Und davon ließ sich das Publikum gerne überzeugen.

Der Vorsitzende der Siebenpfeiffer Stiftung, Landrat Dr. Gallo, fand in seiner Begrüßung ebenso deutliche Worte – auch in Bezug auf die Veränderung der Medienlandschaft: „Es wandelt sich vieles, schnell, vielleicht zu schnell – in der Arbeitswelt, auch in den Arbeitsbedingungen der Journalisten bzw. Medienschaffenden, in der Art und Weise der Kommunikation miteinander im Alltag. Mechanismen, die abmildernd, ausgleichend wirken, treten in den Hintergrund oder fehlen ganz. Die Art der Kommunikation wird direkter, deutlicher, schroffer, eher konfrontativ als lösungsorientiert. All diese Veränderungen stellen gewaltige Herausforderungen für das demokratische Gemeinwesen dar“. Mit Sorge stellte er fest: „Wir haben mittlerweile eine demokratische Grundordnung, für die sich die Gründer des Preß- und Vaterlandsvereins einsetzen wollten. Wir haben sie, aber sie ist in Gefahr, droht unterzugehen in einem undurchschaubaren Gespinst von Fake-News, Verwirrung, Hysterie, aber auch Verharmlosung und von Angst.“

Doch nicht Sorgen oder gar Bedrückung machten die Stimmung der Veranstaltung aus. Vielmehr regten alle Beiträge – auch die südamerikanischen Rhythmen der Gruppe „Cantina“ – zum Nachdenken an, boten dazu hohen Unterhaltungswert und machten einmal mehr deutlich, dass das Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung im Veranstaltungskalender des Saarpfalz-Kreises nicht nur seine Berechtigung hat, sondern nicht mehr wegzudenken ist.

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