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Kinowerkstatt: Werkschau Mary Pickford

Wann:
20. November 2015@19:00
2015-11-20T19:00:00+01:00
2015-11-20T19:30:00+01:00
Kontakt:
Wolfgang Kraus

Den Zuschauer der Kinowerkstatt St. Ingbert erwarten an zwei Abenden, Freitag, den 20. November, und Samstag, den 21. November, jeweils ab 19 Uhr in einer kleinen Werkschau Filme von und mit Mary Pickford, vorgestellt von Stefan Ripplinger.

Es sind kurze mitreißende Filme voller Improvisation und Spielfreude, die sich auch 105 Jahre später auf den Zuschauer überträgt und Sensationelles auf die Leinwand bringt: In „Stella Maris“ tritt Pickford in der ersten ihrer beiden spektakulären Doppelrollen auf, in Little Lord Fauntleroy (Der Kleine Lord), wird sie zugleich Mutter und Sohn sein und sich selbst küssen, in „The Poor Little Rich Girl“ spielt die damals 25-Jährige ein 11-jähriges Mädchen, ohne dass dies auffällt.

Vor hundert Jahren kannte jedes Kind Mary Pickford. Wo immer es Kinos gab, schauten sich die Menschen ihre Filme an. Wo immer sich die junge Frau zeigte, jubelten ihr die Menschen zu und brach der öffentliche Verkehr zusammen, ob in New York, Paris, Oslo – sogar in Moskau! Sie war die Königin des Kinos!

Mary Pickfords Gesicht erschien auf den Titelseiten, im April 1915 etwa auf dem von „The Ladies‘ World“, deren Schlagzeile „Mary Pickford – The Most Popular Girl in the World – das berühmteste Mädchen der Welt“ marktschreierisch, aber keine Übertreibung war. Frauen kopierten massenhaft den Look der Schauspielerin und Produzentin, die zur vielfachen Millionärin aufstieg.

Doch es ist in Vergessenheit geraten, dass Frauen im frühen Film weit mehr geleistet haben, als ihr Gesicht in die Kamera zu halten, so Stefan Ripplinger: „Pickford war, noch vor Charlie Chaplin, der erste Star des technischen Zeitalters.“ Zusammen mit Chaplin, Fairbanks und Griffith gründete sie die Filmfirma Universal Artists.

Stefan Ripplinger, der renommierteste Kenner der Filme Pickfords, Buchautor von „Mary Pickfords Locken“, Wahlberliner mit St. Ingberter Wurzeln, hat die kleine Werkschau zusammengestellt: Mary-Pickford-Fans aus dem Raum Saarlorlux, die die Retrospektiven 1965 in Paris und 2015 in San Francisco verpasst haben, können sich am 20./21.11. in der Kinowerkstatt St. Ingbert einige ihrer schönsten Werke anschauen. Stefan Ripplinger führt dabei jeweils kurz in die Filme ein.“
Männer pflegen das Vorurteil, es handelte sich bei diesen Filmen um seichte Melodramen. Und abgesehen von einer umjubelten Werkschau 1965 in der Cinémathèque Française, war die Pickford nach 1933 nur höchst selten auf der Leinwand zu sehen. „Dabei besitzen ihre Filme mehr Charme, Witz und Wirklichkeitssinn als die populären Filme unserer Tage. Das soll unsere kleine Reihe vor Augen führen.“ (Ripplinger)

Folgende Filme werden aufgeführt:

Freitag, den 20. November
– 19 Uhr: D.W. Griffith: „Wilful Peggy“ (Originalversion, 1910, 13 Min.)
– 20 Uhr: Marshall Neilan: „Stella Maris“ (OV, 1918, 84 Min.)
– 22 Uhr: Maurice Tourneur: „The Poor Little Rich Girl“ (OV, 1917, 65 Min.).

Samstag, den 21. November
– 19 Uhr: John Francis Dillon: „Suds“ (OV, 1920, 75 Min)
Suds heißt „Waschlauge“. Der Film führt in eine Londoner Handwäscherei, in einen von Mäusen und von Ungeziefer befallenen Keller. Wenn sich der Dunst lichtet, sehen wir hart schuftende Frauen an Bottichen, wir sehen Amanda Afflick (Pickford), ausgeschimpft und ausgenützt von der Chefin. Die Gebeugte phantasiert sich aus ihrem Elend und steigert sich in den Tagtraum, sie wäre kein ungeliebtes, ausgebeutetes Waschweib, sondern eine enterbte Herzogin. Verspielt verbindet der Film krassen Sozialrealismus mit übermütiger Komödie.

Einer der stärksten und einer der ungewöhnlichsten Filme von und mit Mary Pickford läuft
– 20.30 Uhr: William Beaudine: „Sparrows“ (OV, 1926, 84 Min.) Grund für das eine wie das andere, das Starke wie das Ungewöhnliche, ist der deutsche Einfluss, der gothic style. Wir befinden uns auf der Farm von Mr. Grimes, eindringlich böse dargestellt von dem bayerischen Freiherrn Gustav von Seyffertitz. Inmitten von mörderischem Morast hält Grimes Vieh und Waisenkinder. Die Kinder lässt er hungern, ja verhungern und verkauft auch einmal eines, zum Preis eines halben Schweins. Weil ihm das noch nicht genug ist, beteiligt er sich an einer Entführung und damit nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Höhepunkt ist eine spannende Flucht durch eine glitzernde Nacht voller wilder Tiere und Gefahren.
Mary Pickford spielt „Mama Molly“, eine Arme im Geiste; ihrer ist das Himmelreich. Sie kümmert sich nach Kräften um die Kleinen und bringt ihnen auf ihre sehr eigene Weise die Bibel bei. In einer spektakulären Szene erscheint ihr dann auch Jesus. Für diesen glänzenden Film wurden die besten Kameraleute der Zeit engagiert. Neben Charles Rosher, dem Hausfotografen von Pickford, führt unter anderem Karl Struss die Kamera. Die beiden gewannen ein Jahr später den Kamera-Oscar für Murnaus „Sunrise“.

 

PM: W. Kraus

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