Veranstaltungen

Donnerstag, 29. September 2022 · Nebel  Nebel bei 8 ℃ · Die Betriebsferien im Neuen Regina sind vorbei Film über den Bau der Zugspitzbahn erregt Aufsehen Nachhaltigkeitswoche in St. Ingbert

Facebook Twitter Instagram RSS Feed

Veranstaltungen

Leander Haußmanns Stasikomödie

Wann:
19. Juni 2022 um 19:00
2022-06-19T19:00:00+02:00
2022-06-19T19:15:00+02:00
Wo:
Kinowerkstatt St. Ingbert
Pfarrgasse 49
66386 St. Ingbert
Deutschland

Die Kinowerkstatt zeigt am Wochenende den neuen Film von Leander Haußmann „Stasikomödie“. Der Film bildet nach Sonnenallee und NVA den letzten Teil seiner DDR – Trilogie. „Die DDR, ein Witz?“ – „Stasikomödie“ trifft es im übertragenen Sinn. Der Film ist weder

Analyse noch Nostalgie noch Empörung: Er ist einfach nur ein Lachen über ein System, das Gelächter verdient hatte. Lächerlichkeit tötet. Lachen befreit.

In diesem Sinn ist „Stasikomödie“ eine Zäsur. „Nach 40 Jahren spießiger Diktatur und 30 Jahren bierernster Aufarbeitung macht sich hier einer endlich locker“, schreibt Hanns-Georg Rodek in seiner WELT-Kritik. Auf vielfachen Wunsch verlängert, läuft „Stasikomödie“ am Freitag, 17. Juni, am Samstag, 18. Juni und am Montag, 20. Juni, jeweils um 20 Uhr, am Sonntag, den 19. Juni um 19 Uhr.

Leander Haußmanns Vater, der Schauspieler Ezard Haußmann, der in der DDR zehn Jahre kein Theater spielen durfte, weil er nach der sowjetischen Niederschlagung des Prager Frühlings einen Kranz zur tschechischen Botschaft gebracht hatte, kam nach der Wende eines Tages mit seiner Stasiakte nach Hause. Darin fand sich der glühende Verehrerbrief einer Geliebten, von der Haußmanns Ehefrau nichts wusste. Diese Situation ist der Ausgangspunkt der „Stasikomödie“ und sorgt für Verwicklungen.

Und weiter der Kritiker: „Es ergibt keinen Sinn, sich über Haußmanns Karikierungen zu beschweren. Ja, Die Stasi ist eine Gurkentruppe, und ja, die Prenzlbohème in ihrer Verehrung von Allen Ginsberg und Performance-Kunst wirkt arg provinziell….Man kann sich selbst und dem Film nichts Schlimmeres antun, als eine „Aufarbeitung“ von DDR-Geschichte zu erwarten. Eigentlich will er alles hinweglachen, 40 Jahre spießige Diktatur, 30 Jahre bierernste Aufarbeitung und eine Gegenwart, die nicht in der Lage ist, sich von den Mustern der Vergangenheit zu lösen. Der korrekte Filmtitel lautet „Leander Haußmanns Stasikomödie“, worüber sich sowohl der markenbewusste Verleih als auch der nicht uneitle Regisseur freuen dürften, aber vor allem betont der Titel, dass es eine zutiefst persönliche Sicht der Dinge ist, ohne jeglichen pädagogisch-repräsentativen Anspruch – dafür mit einem im Filmverlauf immer mehr wachsenden surrealistischen…

„Der Weg in den Orkus des Arbeiter- und Bauernstaats ist gespickt mit Kalauern, Anspielungen und Respektlosigkeiten, wie man sie in dieser Fülle lange in keinem deutschen Film mehr gesehen hat. Der Letzte macht in der DDR buchstäblich das Licht aus, und der Abgang von Henry Hübchen muss wohl als epochal bezeichnet werden.“ , so Hanns-Georg Rodek.

Kann man über die Stasi, die Spitzeltruppe und Geheimpolizei des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, lachen? Ihr menschenverachtendes, auch mörderisches Treiben hatte schließlich für Angst und Schrecken in der Gesellschaft des sozialistischen Ostdeutschlands gesorgt und dafür, dass niemand seinen Nächsten über den Weg trauen konnte. Der Theaterregisseur und Filmemacher Leander Haußmann beweist mit dieser Persiflage, dass sich aus heutiger Distanz durchaus über die Stasi lachen lässt. Er hat sich ausbedungen, dass der vollständige Filmtitel „Leander Haußmanns Stasikomödie“ heißt, um klarzumachen, dass es sich um seinen persönlichen Blickwinkel handelt. Aus diesem heraus betrachtet, scheint im Ostberlin der 1980er Jahre „trotzdem die Sonne“, wie eine Texteinblendung verrät. Man kann dort wie der junge Ludger Fuchs (David Kross) für die Stasi die unangepasste Künstlerszene des Prenzlauer Bergs ausspionieren und dieser trotzdem leidenschaftlich angehören.

Spätestens seit Lubitschs Sein oder Nichtsein ist filmische Satire ein wohltuendes Gift: Es zersetzt jene Übermacht, die den Totalitarismus kennzeichnet. Für viele ausspionierte, von der Staatsmacht angeworbene Ex-Bürger der DDR mag der Spreewaldgurken-Humor des Filmregisseurs Leander Haußmann daher eine willkommene Entlastung darstellen.

Man soll sich über die mausgrauen Mitarbeiter aus Mielkes „MfS“ ein letztes Mal nach Herzenslust mokieren. Auch die Beamten von „Horch und Guck“ sind schließlich nur sprechgehemmte Menschen voller Hautunreinheiten gewesen. Sie horchten andere aus, gehorchten aber ihrerseits bloß dem Systemzwang.

Es spielen David Kross, Jörg Schüttauf, Antonia Bill, Deleila Piasko, Henry Hübchen, Matthias Mosbach, Christopher Nell, Karl Schaper, Eric Spiering, Margarita Broich, Tom Schilling, Detlev Buck, Steffi Kühnert, Uwe Dag Berlin, Bernd Stegemann, Robert Stadlober, Alexander Scheer, Karsten Speck.

Werbung

Im St. Ingberter Anzeiger werben

Druckerei Demetz

Ein Kaffee für's Team

PER PAYPAL SPENDEN – DANKE!

Wetter in St. Ingbert

Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben

Bitte lesen Sie sich die Netiquette für unseren Kommentarbereich durch, bevor Sie einen Beitrag verfassen. Vielen Dank!

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2022