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Programm der Kinowerkstatt St. Ingbert

Wann:
23. Juni 2017@20:00
2017-06-23T20:00:00+02:00
2017-06-23T20:15:00+02:00
Kontakt:
W. Kraus

„Die Schlösser aus Sand“ (Fr. 23. Juni, 20 Uhr; Sa. 24. Juni, 20 Uhr; So. 25. Juni, 20 Uhr; Mo. 26. Juni, 18 Uhr); „Beuys“ (So. 25. Juni, 18 Uhr; Mo. 26. Juni, 20 Uhr).

 

Die Schlösser aus Sand

Abschied in der Bretagne

Die Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49, zeigt an diesem Wochenende „Die Schlösser aus Sand“ (Frankreich 2015) Regie: Olivier Jahan, mit Emma de Caunes, Yannick Renier, Jeanne Rosa. (102 Minuten), am Freitag, den 23. Juni, am Samstag, den 24. Juni, am Sonntag, den 25. Juni, jeweils um 20 Uhr und am Montag, den 26. Juni, um 18 Uhr.

Fünf Jahre lang waren Éléonore und Samuel ein Paar. Sie arbeitet als Fotografin, er als Geschichtslehrer. Nach einer Affäre Éléonores trennen sie sich. Dann stirbt Élénores Vater, er hinterlässt seiner Tochter ein Haus in der Bretagne. Das will Éléonore (Emma de Caunes, Szenenfoto) verkaufen, und so bittet sie ihren Ex-Freund um Hilfe. Viele gemeinsame Erinnerungen sind mit dem Haus verknüpft. In der ländlichen Abgeschiedenheit müssen Éléonore und Samuel drei Tage miteinander auskommen, dabei merken sie, dass jeder für den anderen noch starke Gefühle empfindet.

Vor der Tür steht unausgepackt die letzte Weinlieferung des Vaters, vor einem Monat bestellt, was für eine melodramatische Kartonage! Der Empfänger sitzt wie selbstverständlich plötzlich am Strand und spricht mit seiner Tochter: Das ist der schöne Realismus des Kinos, denn natürlich reden wir mit unseren Toten und diese mit uns.

Wunderbar störend drängt sich immer wieder die Immobilienmaklerin Claire (Jeanne Rosa) ins Bild, die sich in Ermangelung eines eigenen, mehr für die Leben ihrer Klienten interessiert. Aber die sprechen, was sie dem anderen nicht eingestehen können (und kaum sich selbst), lieber direkt in die Kamera. Das Publikum wird zum Mitwisser der Seelen, ein originelles Spiel von Nähe und Distanz entsteht.

Kerstin Decker schrieb im tagesspiegel: „Es geschieht nicht oft, dass das Wissen um die Biografie eines Filmemachers die Sicht auf sein Werk ändert. „Die Schlösser aus Sand“ ist Olivier Jahans erstes größeres Stück Kino seit 15 Jahren. Der Vorgänger hieß „Tut so, als wäre ich gar nicht da“. Das Publikum zeigte sich dem Titel verpflichtet, keinen einzigen Franc habe er an der Kinokasse eingespielt, gestand der Regisseur beherzt. „Die Schlösser aus Sand“ kommt also wie ein großes ‚Trotzdem‘ ins Kino,“ und es hat sich gelohnt: Sehenswert!

 

Beuys

Porträt Joseph Beuys, Künstler und Mensch

„So viele Fragen bleiben. Nach Andres Veiels Beuys-Doku möchte man sich sofort eine Beuys-Biografie greifen, in eine Beuys-Ausstellung gehen, auf Youtube nach Material suchen, nach Bildern und Artikeln. Das ist ein Kompliment an den Film. Denn dass er in 107 Minuten nicht den ganzen Beuys zeigen konnte, ist klar. Aber er fixt einen an.“ (Anja Seeliger auf perlentaucher.de) „Beuys“ (Regie: Andres Veiel, Deutschland 2017, 107 Minuten) läuft weiter in der Kinowerkstatt am Sonntag, den 25. Juni, um 18 Uhr und am Montag, den 26. Juni, um 20 Uhr.

Veiel zeigt alle wesentlichen Stationen im künstlerischen Leben des Joseph Beuys: Man sieht ihn als Kind, vom Krieg geprägt, als jungen Menschen, der sich als Künstler erfindet, als soziales Wesen, als politisch denkenden Menschen, als Lehrer, der sich mit dem damaligen NRW-Wirtschaftsminister Johannes Rau anlegt.

Weiter geht’s zum Absturz auf der Krim, der Erzählung von Filz und Fett bei den Tataren („Haben Sie sich das gerade ausgedacht“, fragt eine Frauenstimme aus dem Off, keine Antwort von Beuys), einzelne Kunstaktionen wie „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ 1965

Dazwischen Fernsehdiskussionen, etwa 1970 eine hitzige Diskussion zwischen Beuys, Max Bill, Arnold Gehlen und Max Ben und Interviews, in denen Beuys seinen erweiterten Kunstbegriff erklärt: „An und für sich ist der Kunstbegriff heute so erweitert, dass heute jede normale Situation Kunst ist“, sagt er und muss immer wieder seine These erklären, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Ein Künstler eben in dem Sinne, dass er an der sozialen Plastik namens Gesellschaft mitarbeitet.

Seine Lust an der Provokation ist immer wieder ansteckend. Allein wie er im großen Saal der Düsseldorfer Kunstakademie steht, vor ihm sitzen die Honoratioren Nordrhein-Westfalens in Kostüm und Anzug: Beuys in Anglerweste und Jeans, macht den Mund auf und „chrm, hrm hrm chrm“ knarzt er aus seiner Kehle heraus. Die ganze Rede ein einziges Geräusper, während die Herrschaften unten Contenance zu bewahren suchen…sehr sehenswert!

Die Kinowerkstatt ist an diesen heißen Tagen klimatisiert !

 

PM: W. Kraus, kinowerkstatt.de

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