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Timbuktu

Wann:
5. Januar 2015@20:00
2015-01-05T20:00:00+01:00
2015-01-05T20:30:00+01:00
Kontakt:
Wolfgang Kraus

In „Timbuktu“ (Frankreich/Mauretanien 2014) erzählt Abderrahmane Sissako von den Verheerungen, die der Dschihad im subsaharischen Afrika anrichtet. Die Kinowerkstatt zeigt „Timbuktu“, der im Wettbewerb von Cannes Premiere feierte, am Montag, den 5. Januar, um 20 Uhr.

Der Film „Timbuktu“ ist, nach „Heremakono“ (2002) und „Bamako“ (2005), der dritte nach einer malischen Stadt benannte des Regisseurs Abderrahmane Sissako. Der konkrete Ort ist auch diesmal Ausgangspunkt für allegorische Verallgemeinerungen – schließlich wehen die schwarzen Fahnen der Dschihadisten, die Timbuktu in ihre Gewalt gebracht haben, zurzeit auch andernorts.

Obwohl die Gotteskrieger gleich in der ersten, aus einem Geländewagen gefilmten Einstellung mit Maschinengewehren Jagd auf eine unschuldige Gazelle machen, zeigt Sissako sie nicht als Barbaren. Bornierte, törichte Männer sind das, die Widersprüche – auch die eigenen, inneren – schlecht bis gar nicht aushalten. Wenn die Bevölkerung der besetzten Stadt sich gegen die Anweisungen und Verbote der selbsternannten „islamischen Polizei“ sträubt, haben die Dschihadisten dem zunächst nichts entgegenzusetzen als Achselzucken und frömmelnde Ermahnungen.

Eine leise Ironie geht von diesen ersten Amtshandlungen der Möchtegernpolizisten aus, ein sanfter, aber nicht zu übersehender Zug ins Absurde. Dieselben jungen Männer, die eben noch leidenschaftlich gestritten hatten, ob Zidane oder Messi der bessere Spieler sei, mühen sich im nächsten Moment ab, einen scheinbar herrenlosen Ball dingfest zu machen, der widerrechtlich zwischen den roten Lehmbauten der Stadt umherkullert. Denn Fußball gilt als haram, als sündhaft, wie auch Musik, Zigaretten und lange Hosen.

„Komisch, fast harmlos muten die islamistischen Besatzer in Timbuktu manchmal an, leicht ulkig Sissakos ausgestellte Symbolismen. Aber da ist Berechnung im Spiel – umso härter und unversöhnlicher nämlich trifft einen nachher die Eskalation der Gewalt. Der Gesetzesverstöße müde, wenden sich die Ordnungshüter ans flugs eingesetzte Scharia-Gericht, das gegen den anhaltenden Widerstandsgeist Peitschenhiebe und Steinigungen verschreibt.“ (Nikolaus Perneczky auf filmzentrale.de)

Sissako zeigt die Bewohner Timbuktus als entspannte, stolze Menschen, die tief in ihrer Kultur verankert sind. Dazu gehört ganz selbstverständlich die Musik des Maghreb. Immer wieder sieht man Männer, die selbstvergessen Gitarre spielen, und Frauen, die dazu singen.

Die Geschichte kreist jetzt um einen Viehhirten, der mit seiner Familie außerhalb der Stadt in einem Zelt lebt und aufgrund eines dramatischen Zwischenfalls von einem Scharia-Gericht der Islamisten zum Tod verurteilt wird.

Das furiose Finale von „Timbuktu“ zerfetzt die trancehafte Ruhe des Beginns: In einer rätselhaften Parallelmontage schneidet Sissako schnell zwischen verschiedenen dramatischen Schauplätzen hin und her. Überall rennen Menschen und Tiere, besinnungslose Bewegung überall. Aber niemand kommt irgendwo an.

 

PM: Wolfgang Kraus, Kinowerkstatt

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