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Timbuktu von Abderrahmane Sissako

Wann:
23. Januar 2015@19:00
2015-01-23T19:00:00+01:00
2015-01-23T19:30:00+01:00
Kontakt:
Wolfgang Kraus

Was Islamisten anrichten, wird von den Medien fast täglich mit Horrorbildern vorgeführt. Der Spielfilm «Timbuktu» wählt einen andern Weg. Und ist gerade deshalb ein Meisterwerk. Die Kinowerkstatt zeigt dieses Meisterwerk am Freitag, den 23. Januar, um 19 Uhr, sowie am Montag, den 26. Januar, um 18 Uhr.

“Dieser Film ist eine Wucht. Er ist einzigartig, berührend, erschütternd und von stiller Schönheit. Gedreht hat «Timbuktu» der in Mauretanien geborene Abderrahmane Sissako. Als Westafrikaner ist er nicht nur vertraut mit dem Islam (er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Mali), er ist auch einer der wenigen Regisseure Afrikas mit Weltruf. Im Film geht es um islamische Extremisten, die die Wüstenstadt Timbuktu einnehmen und dort ihre rigiden moralischen Gesetze der lokalen Bevölkerung aufzwingen. Wer sich nicht anpasst, wird bestraft, ausgepeitscht oder im schlimmsten Fall umgebracht. Genau ein solch tragischer Vorfall hat Sissako zu seinem Film inspiriert.

Er schreibt: «Am 22. Juli 2012 geschah in Adjelhoc, einer kleinen Stadt im Norden Malis, ein grausames Verbrechen. Es geschah unter der quasi vollständigen Gleichgültigkeit der Weltöffentlichkeit und der Medien, während mehr als die Hälfte des Landes von auswärtigen Männern besetzt war. Ein etwa 30-jähriges Paar mit zwei kleinen Kindern wurde zu Tode gesteinigt. Ihr Vergehen: Sie waren nicht vor Gott verheiratet gewesen.

“Eine Steinigung als Motiv, um einen Film zu drehen, lässt das Schlimmste befürchten. Doch Sissako wählt einen andern Weg. Sein Film verzichtet weitgehend auf die drastische Zurschaustellung von unerträglicher Gewalt. Er dosiert sie genau richtig, hält die nötige Distanz ein zu den Opfern und findet einen Weg, den radikalen Islamisten einen Spiegel vorzuhalten, der sprachlos macht. Im Film behalten sogar die Täter so etwas wie menschliche Würde. Sie werden nicht einfach als wütende Bestien dargestellt, umso mehr dafür als moralisch und religiös Irregeleitete, deren «Gesetze» (zum Beispiel das Verbot von Musik) schlicht lächerlich wirken. Der absolute Höhepunkt des Films ist jene Szene, in der die Jungs von Timbuktu Fussball spielen, nachdem die Dschihadisten Ballspiele verboten haben. Der Match findet trotzdem statt – einfach ohne Ball. Eine Szene für die Ewigkeit. Und vielleicht die feinste Art, den Irrsinn und die Absurdität der islamistischen Vorschriften zu entlarven. Man könnte nun sagen: Klar, das haben wir ja gewusst. Warum also noch ins Kino gehen? Die Antwort ist einfach: «Timbuktu» stellt den Maschinengewehren der Terroristen Poesie, Menschlichkeit, Aufrichtigkeit, Liebe, Musik und starke Frauen entgegen. Mit einem typisch afrikanischen Tempo der Langsamkeit, mit Bildern von märchenhafter Schönheit und einfachen Worten voller Menschlichkeit und Respekt schafft es der Regisseur, dem Elend des Terrors eine Alternative gegenüberzustellen, für die es sich zu kämpfen lohnt – und die den Kinobesuch unvergesslich macht.” ( Mario Schnell, Bieler Tageblatt)

 

PM: Wolfgang Kraus, Kinowerkstatt

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