EGOSYSTEM Dip-Serie: Neues Leben für alte Studio-Werkzeuge

13. März 2026

Lim Wootek von Studio EGOSYSTEM präsentiert die Dip-Serie als konzeptionelle Erforschung von Erinnerung und Transformation in alltäglichen Gegenständen. In Anlehnung an Lims Idee des „Casting Memory“ wendet das Projekt Harz auf gebrauchte Studio-Werkzeuge an und bewahrt deren eingebettete Geschichten, während es ihre Funktionen neu definiert. Im Gegensatz zu herkömmlichem Recycling, das die Vergangenheit eines Objekts auslöscht, verfestigt diese Methode Spuren von Benutzung und Emotionen und verwandelt Industrieprodukte in handwerklich anmutende Artefakte. Ausgestellt in Seoul demonstriert die Serie, wie vertraute Gegenstände – Computer, Hocker, Spiegel und Wagen – neu als skulpturale Möbelstücke und konzeptionelle Kunst interpretiert werden können.

Jedes Stück der Kollektion ordnet den Gegenständen durch radikale strukturelle Verschiebungen eine neue Funktion zu. In „Dip1“ wird ein iMac zur Rückenlehne eines Stuhls, der Monitor bleibt sichtbar, während Tastatur und Aufbewahrungsbehälter unter Harz verschwimmen. Dieser Gegensatz symbolisiert den Abstand zwischen lebhaften Erinnerungen und jenen, die im Vergessen verschwinden. „Dip2“ erweitert einen Studio-Hocker zu einer amorphen Dreiecksform, wobei der ursprüngliche Sitz in Harz versinkt, um die blinden Flecken der Erinnerung darzustellen. Das zusätzliche Volumen eröffnet neue Möglichkeiten für alltägliche Werkzeuge und bricht die Form des herkömmlichen Möbeldesigns auf.

„Dip3“ verwandelt einen ungenutzten verstellbaren Spiegel in ein rein skulpturales Stück. In Harz eingefasst verschwindet seine spiegelnde Funktion, es bleibt nur eine halbdurchsichtige Oberfläche und eine feste Silhouette. Der Spiegel, einst ein Werkzeug der Nützlichkeit, wird zu einem visuellen Element, das den Raum durchdringt und zeigt, wie Objekte eine neue skulpturale Ordnung gewinnen können, sobald ihre praktische Rolle endet. Ebenso redefiniert „Dip4“ einen defekten Nutzwagen, indem seine Oberseite durch Harz ersetzt wird. Die Räder bleiben als Stützen sichtbar, während die transparente Harzoberfläche seine Transportfunktion stoppt und der Wagen als niedriger Tisch dient.

Gemeinsam heben diese Werke Lims Interesse an der Unsicherheit der Erinnerung und der Transformation der Funktion hervor. Harz fungiert sowohl als Konservierungsmittel als auch als Medium der Verzerrung, verwischt Konturen und definiert Nutzbarkeit neu. Indem die Formen und Erzählungen von Studio-Werkzeugen neu geordnet werden, bietet die Dip-Serie einen poetischen Kommentar darüber, wie Objekte persönliche Geschichten tragen und wie diese Geschichten in neue Existenzweisen verwandelt werden können.

Leonie Falkenberg

Leonie Falkenberg

Ich interessiere mich für kulturelle Trends und die feinen Entwicklungen, die unseren Alltag prägen. In meinen Artikeln verbinde ich lokale Perspektiven mit internationalen Einflüssen, besonders in den Bereichen Musik, Kunst und Lifestyle. Für mich bedeutet Schreiben, den Zeitgeist aufmerksam zu beobachten und in Worte zu fassen.